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Regionalstadtbahn für Bremerhaven und das Umland?


Seit dem die Bremerhavener Straßenbahn im 1982 ihre letzte Fahrt absolvierte, hat es immer wieder Initiativen gegeben, den Straßenbahnbetrieb wieder zu eröffnen. Alle Initiativen scheiterten bislang am Widerstand der Politik in der Seestadt. Politiker, die damals für das "Aus" verantwortlich waren, regieren heute zum Teil immer noch mit.

Trotz dieser Misserfolge: Der Verkehrsclub Deutschland macht sich seit Jahren für die Straßenbahn stark. Bereits 1998 legten der VCD Bremerhaven die Studie "Straßenbahn für Bremerhaven - die zukunftsweisende Mobilität für alle" vor. Axel und Jens Volkmann vom VCD-Vorstand hatten das 43-seitige Konzept entwickelt. Es sah neben einem innerstädtischen Netz auch eine Anbindung des Umlandes nach Karlsruher Vorbild vor. In Karlsruhe verkehren Stadtbahnwagen sowohl auf Straßenbahnstrecken im Stadtgebiet, als auch auf normalen Bahnstrecken im Umland. Die Verbindungen zwischen Stadt und Land wurde wesentlich verbessert und bewirkten außergewöhnlich hohe Fahrgastzuwächse.

Jetzt hat der VCD erneut eine Studie vorgelegt. Die Machbarkeitsuntersuchung "Einführung eines modernen Stadtbahnsystems in der Region Bremerhaven-Cuxhaven" wurde von der "Gesellschaft für fahrgastorientierte Verkehrsplanung" im Auftrag des VCD erstellt. Der Verein will damit der ruhenden Straßenbahn-Diskussion neue Impulse geben. Zuletzt hatte 2001 eine im Auftrag der Stadt erstellte Studie ("TransTec"-Gutachten) für viel Wirbel gesorgt, bei der es um eine neue Straßenbahn für Bremerhaven ging. Sie wurde von der Stadtverordnetenversammlung schließlich abgelehnt. Der VCD kritisiert die unsachliche Diskussion darüber. Bei der Auftragsvergabe habe es Mängel gegeben. Dazu zähle, dass von vorneherein ausgeschlossen wurde, eine Straßenbahn durch die "Bürgermeister-Smidt-Straße" zu führen. Die ist Bremerhavens Haupt-Einkaufsstraße und damit für einen sinnvollen Nahverkehr unverzichtbar. Außerdem sei in der TransTec-Studie die Anbindung des Umlandes nicht berücksichtigt worden. Beide Mängel wurden im neuen VCD-Konzept behoben.

Das favorisierte Streckennetz umfasst eine "Dieselachse" und eine "Elektroachse". Die Dieselstrecke führt vom Cuxhavener Karl-Olfers-Platz über den bisherigen Bahnhof und die bestehende Bahnstrecke bis Lehe, dann durch die Innenstadt, fädelt am Hauptbahnhof wieder auf die bisherige Bahnstrecke ein und führt dann auf bestehender Trasse bis Bremervörde. Die Elektrostrecke führt von Langen Nord über Lehe in die Innenstadt. Am Hauptbahnhof geht es auf die bestehende Bahnstrecke und dann bis nach Stubben.

Um dieses Konzept realisieren zu können, ist der Bau von drei Straßenbahnstrecken notwendig. In Bremerhaven wäre das die Verbindung Hauptbahnhof - Innenstadt - Hafenstraße - Bahnhof Lehe. Das soll der Grundstock für spätere Netz-Erweiterungen sein. Am Stadtrand von Bremerhaven ist eine Verbindung durch die Leher Landstraße in Langen nötig. In Cuxhaven müsste eine relativ kurze Verbindung vom Bahnhof über den Kaemmererplatz bis zum Karl-Olfers-Platz gebaut werden.

Das Gutachterbüro hat für diese Strecken Investitionskosten von insgesamt 46,9 Millionen Euro vorgesehen. 60 Prozent dieser Kosten könnten durch Zuschüsse des Bundes, 20 Prozent durch Zuschüsse des Landes Bremen finanziert werden. Die Fahrzeuge kosten noch einmal 31 Millionen Euro zusätzlich Die Gutachter schlagen vor, die Fahrzeuge über den LNVG-Fahrzeugpool zu beschaffen - ähnlich wie bei der Nordwestbahn.

Gegenüber dem bisherigen Angebot würde die neue Regionalbahn Mehrkosten von rund 3,8 Millionen Euro pro Jahr verursachen. Es sei aber abzusehen, dass der Nachfragezuwachs diese Mehrkosten innerhalb weniger Jahre kompensieren würde. In Anbetracht der Tatsache, dass Niedersachsen in den vergangenen Jahren viel Geld in die Region Hannover investiert hat (Stichwort Expo2000), sei eine Anschubfinanzierung durch das Land mehr als gerechtfertigt. Betreiber der Regionalstadtbahn könnten die regionalen Verkehrsunternehmen VGB (Bremerhaven), EVB (Zeven) oder BSAG (Bremen) sein. Aber auch ein überregionaler Anbieter sei denkbar.

Ob ein solches Konzept auch tatsächlich eine realistische Chance hätte, wurde im Januar in einer Diskussionsrunde im evangelischen Bildungszentrum in Bad Bederkesa mit Vertretern aus Politik und Verwaltung erörtert. Mit Enak Ferlemann (CDU), Daniela Krause-Behrens (SPD) und Ulrich Schröder (Grüne) waren Vertreter fast aller Kreistagsfraktionen gekommen. Außerdem nahmen auch Politiker aus der Seestadt - Paul Bödecker (CDU) und Harald Stelljes (SPD) - sowie der Leiter des Bremerhavener Stadtplanungsamtes, Dr. Henning Budelmann, an der Diskussion teil.

Grundsätzlich waren sich fast alle Teilnehmer einig, dass eine Regionalstadtbahn eine sinnvolle Einrichtung sein könnte. Enak Ferlemann machte aber deutlich, dass aus seiner Sicht die Bremerhavener den ersten Schritt tun müssten. "Wenn sie sich dafür entscheiden, machen wir mit." Das sah Daniela Krause-Behrens ganz anders: "Wir können doch nicht warten, bis sich Bremerhaven irgendwann entscheidet. Wir müssen als Landkreis ein klares Signal setzen." Und am Geld dürfe so etwas auch nicht scheitern. "Das ist ein Totschlagargument", meinte sie an die Adresse von Paul Bödecker, der wenig Chancen für das Projekt angesichts der derzeitigen Haushaltslage sah. Ulrich Schröder mahnte ebenfalls, dass "Geld hier nicht die entscheidende Rolle spielen darf". Harald Stelljes lobte das Konzept als "gute Lösung, die das Zusammenwachsen der Region fördert".

Einzig Dr. Henning Budelmann malte für den Fall einer Stadtbahn-Einführung ein düsteres Bild für Einzelhändler und Autofahrer in der Seestadt, die dann mit schwerwiegenden Einschränkungen zu kämpfen hätten. Diese Befürchtungen konnten jedoch widerlegt werden. Budelmann kritisierte daneben die vorgeschlagene Trasse und die Bedienungshäufigkeit als "unakzeptabel". Die Stadtbahn sei deshalb kein System für Bremerhaven. Mit dieser Meinung blieb er jedoch alleine.

Wenig später stand das Thema auf der Tagesordnung entsprechender Gremien auf Landkreis- und auf Cuxhavener Stadtebene. Dort zeigten die Politiker, das sie die Zeichen der Zeit offenbar nicht erkannt hatten. Als "irre und wirre Idee" bezeichnete der SPD-Fraktionsvorsitzender Gunnar Wegener die Pläne im Cuxhavener Stadtrat. Er verwies darauf, dass in Bremerhaven der Personennahverkehr von der Straßenbahn auf Busse umgestellt worden sei. Die neue Infrastruktur sei zu teuer. Auch der Vorsitzende der CDU/FDP-Gruppe, Enak Ferlemann, argumentierte in diese Richtung. Voraussetzung für das Konzept sei, dass die Stadt Bremerhaven entscheiden müsste, ob sie überhaupt eine Straßenbahn wolle. Mit großer Mehrheit lehnte der Stadtrat die von den Grünen beantragte Einrichtung einer Arbeitsgruppe zur Stadtbahn ab. Auf Landkreis-Ebene war das Projekt ebenfalls beerdigt worden. Statt dessen setzten die Politiker lieber auf neue Autobahnen. Stand: März 2003

Weitere Informationen und Links

Die Kurzfassung des Gutachtens lässt sich hier als PDF-Datei herunterladen
Gesellschaft für fahrgastorientierte Verkehrsplanung
Übersicht über Straßenbahnkonzepte von Heiko Jacobs