Kleinloks

Für den kleinen und mittleren Rangierdienst beschafft die Deutsche Reichsbahn in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts kleine Motorlokomotiven, mit denen der Güterverkehr beschleunigt werden soll. Bereits vor der eigentlichen Serienbeschaffung der Loks, die in zwei Leistungsgruppen eingeteilt wurden, gelangen im Oktober 1931 die ersten fabrikneuen Versuchsmaschinen an die Niederelbe [1]. Es handelte sich um drei Maschinen des Herstellers BMAG. Kb 4016 (BW Harburg-Wilhelmsburg) wurde in Buxtehude, Kb 4017 (BW Harburg-Wilhelmsburg) [2] in Horneburg und Kb 4018 (BW Cuxhaven) in Otterndorf stationiert. Sie gehörten zur ersten Lieferung von Kleinlokomotiven, die die RBD Altona erhalten hatte. In den Bahnhöfen bildete man jeweils drei Personen als Kleinlokbediener aus. Außerdem wurden nach und nach für die Maschinen Kleinlokschuppen errichtet [3].
Im Januar 1934 bekamen Cadenberge (Kö 0053) und Himmelpforten (Kö 0052) jeweils eine fabrikneue Gmeinder-Kö I zugeteilt. Sie unterstanden dem BW Cuxhaven. Die kleinere Variante genügt in diesen Bahnhöfen offenbar für das geringere Rangieraufkommen.
Zwei Jahre später, im März 1936, waren 0052 und 0053 noch immer im Bestand des BW Cuxhaven, 4018 allerdings dem BW Harburg-Wilhelmsburg zugeteilt. 1944 stand mit 0054 eine weitere Kö I der älteren Bauart in den Diensten des BW Cuxhaven, sie war zuvor in Zeven stationiert. Die anderen beiden Cuxhavener Kleinloks waren weiterhin an ihren alten Standorten tätig. In Buxtehude rangierte jetzt Kb 4103 (BW Hamburg-Harburg), in Horneburg wurde mit Kö 0143 eine kleine Maschine eingesetzt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg schieden die kleinen Maschinen der Leistungsgruppe I relativ schnell aus dem Betriebsdienst aus: 0054 wurde 1956 in Flensburg ausgemustert, 0052 erlitt das gleiche Schicksal 1960 im BW Hamburg-Altona. Die Wirren des Krieges hatten die dritte Maschine, Kö 0053, nach Wittenberge verschlagen, wo sie um 1947 verschrottet worden ist.
Ende der 50er Jahre fand ein groß angelegter Fahrzeugtausch zwischen den einzelnen Bundesbahndirektionen statt, um die verschiedenen Bauvarianten an einzelnen Standorten zusammenzuziehen und so die Unterhaltung zu vereinfachen. Davon war auch das BW Cuxhaven betroffen: Die Kb 4018 – inzwischen wieder in Cuxhaven in Diensten – verließ ihre Heimatdienststelle im Dezember 1954 Richtung BD München, gemeinsam mit Kö 6007, die nach Kassel abgegeben wurde. Als Ersatz bekam Cuxhaven die Maschine Kö 4805 der BD München. 1958 war diese noch immer hier stationiert, gemeinsam mit Kö 4105. Die beiden Loks wurden im kleineren Verschub in Cuxhaven sowie in Otterndorf und vermutlich auch im Bahnhof Cadenberge eingesetzt. 1960 gab man sie zeitgleich mit der Schließung des BW Cuxhaven an das BW Hamburg-Harburg ab. Dieses verfügte 1961 über 33 Kleinlokomotiven, darunter auch zahlreiche aus dem Neubauprogramm der DB. Die Anzahl der hier beheimateten Loks änderte sich lange Zeit nur wenig. 1965 rangierten die Maschinen in Otterndorf, Cuxhaven, Horneburg und Buxtehude auf der Unterelbebahn [4].
Vier Maschinen der Baureihe 322 und 16 der Baureihe 323 waren 1977 beim BW Hamburg-Harburg beheimatet und wurden von dort aus auch auf der Niederelbebahn eingesetzt. Drei Jahre später gab Harburg die Kleinlokunterhaltung an das BW Wilhelmsburg ab. Alle 23 zu diesem Zeitpunkt vorhandenen Maschinen wurden entsprechend umbeheimatet. Langsam, aber sicher ging die große Zeit der kleinen Loks auf der Unterelbebahn ihrem Ende entgegen. 1983 setzte das BW noch jeweils eine Maschine auf den Bahnhöfen Hamburg-Unterelbe und Cuxhaven ein. Außerdem dürften weitere im Arbeitszugdienst gelegentlich auf die Strecke gekommen sein. 323 114 war 1990 die letzte Kleinlok in Hamburg-Unterelbe.
Neben den Staatsbahn-Kleinloks gab es entlang der Niederelbebahn noch mindestens zwei Maschinen, die im Auftrag des Militärs unterwegs waren. Das Marine-Sperrwaffenarsenal Cuxhaven bekam 1936 eine fabrikneue Lok der Leistungsgruppe I vom Hersteller Jung geliefert, die mit der Nummer “96″ in den Bestand eingereiht wurde. Die Maschine mit der Fabriknummer 7406 gelangte nach dem Krieg zur Eisenbahndirektion Hamburg, wo sie die Nummer Kö 1008 erhielt. Sie wurde 1951 ausgemustert und beendete ihr Dasein als Schleppgerät im AW Bremen, wo man sie 1965 verschrottete. Für den Flugplatz Stade, der ebenfalls über einen Bahnanschluss verfügte, beschaffte man 1940 von DWK ebenfalls eine Lok der Leistungsgruppe I. Sie kam ebenfalls später zur Bundesbahn mit der Nummer Kö 6008 und wurde 1957 ausgemustert. Danach war sie noch kurz Werklok bei der Fa. Wilhelm Märkert in Wildenroth bei München, kam im selben Jahr zum HSL Hauptsammellager Desching, wo man sie noch 1957 verschrottete.

Anmerkungen
[1] Die nachfolgenden Ausführungen stützen sich im Wesentlichen auf die folgende Monographie, die den Einsatz der Kleinlokomotiven an der Unterelbe sehr gut dokumentiert: Große, Peter; Troche, Horst (2002): Die Einheitskleinlokomotiven der Leistungsgruppen I und II. Freiburg: EK-Verlag.
[2] Seit 1938 hieß das BW Hamburg-Harburg.
[3] Vgl. Harden, Hans-Wolfgang (2000): Beiträge zur Geschichte der Unterelbeschen Eisenbahn: 1. Folge: Kb 4017 – eine Vorserien-Kleinlokomotive für den Bahnhof Horneburg. In: Mitteilungen der Museumsbahn Bremerhaven-Bederkesa e.V. sowie der BSW-Gruppe „Das Stellwerk“ 10, H. 56/57, S. 9 u. 11-15.
[4] In Buxtehude war noch um 1970 eine Köf II stationiert, sie hatte einen kleinen Schuppen neben dem alten Stellwerk “Bf”. Hinweis von Heiko Steffens, Buxtehude.