Die Baureihe V 60 ist ein klassisches Arbeitstier der Bahn. Innerhalb kurzer Zeit wurde die Rangierlok entwickelt und dann über 1000 Mal gebaut – eine robuste Konstruktion, die sich bewährt hat. Die Unterelbebahn war eine der ersten Einsatzorte für die neuentwickelte Rangierlokomotive [1]. V 60 003 wurde als erste V 60 der Deutschen Bundesbahn am 10. Juni 1955 vom Hersteller MaK ausgeliefert. Man teilte sie dem BW Hamburg-Harburg zu, dass sie im Bahnhof Hamburg-Unterelbe bzw. den von dort ausgehenden Gleisanlagen einsetzte. Man hatte diesen Bahnhof für die Vorauslok ausgewählt, da die Dienstanforderungen hier höchst unterschiedlich waren. So galt es, Rangierdienst am Ablaufberg zu übernehmen, aber auch auf engen Gleisanschlüssen mit schweren Zügen zu rangieren. Erstmals testete man erfolgreich die einmännige Bedienung einer Rangierlok. Die Erprobung des damals noch orangefarben lackierten „Testfahrzeugs“ verlief zur Zufriedenheit der Bundesbahn, die daraufhin in die Serienbeschaffung einstieg.
Drei Jahre später bekam Harburg die erste Serien-V 60 zugeteilt. Im Juli 1957 standen hier die Maschinen V 60 356, V 60 360-368 sowie 373 bis 375 im Einsatz. In Cuxhaven lösten sie die in den folgenden Jahren die Dampfloks der Baureihe 56.2 im Rangierdienst ab [2] und rangierten außerdem in Stade. In Harburg wurden nach und nach die Baureihen 92.5 und 94.5 arbeitslos.
Die V 60 gehörte seitdem zum gewohnten Anblick auf der Unterelbebahn. 1963 waren Cuxhaven und Stade jeweils mit einer V 60 im Umlaufplan vertreten. 1978 – wenige Jahre vor der Auflösung des BW Hamburg-Harburg – wurden dort 17 Loks der mittlerweile als 261 bezeichneten Baureihe benötigt. Die Eröffnung des Maschener Rangierbahnhofs im Jahr zuvor hatte eine große Zahl V 60 entbehrlich gemacht. Auch nach Cuxhaven kamen die Maschinen in dieser Zeit nicht – hier dürften damals vermutlich Köf II/III rangiert haben. 1980 wurde das BW Hamburg-Harburg geschlossen. Alle zu diesem Zeitpunkt in Harburg vorhandenen 11 Maschinen der Baureihe 260 und 22 der Baureihe 261 wurden nach Wilhelmsburg umbeheimatet und auch die bisherigen Einsatzgebiete dieser Loks von dort aus übernommen. Wilhelmsburg hatte schon lange zu einem Haupteinsatzgebiet der V 60 gehört, mit der Errichtung einer neuen Lokhalle konnten sie dort auch gewartet werden. 1982 übernahm Wilhelmsburg auch die V 60-Bestände des BW Hamburg-Altona, das ebenfalls geschlossen worden war.
Mit der Abstufung der V 60 zu Kleinloks der Leistungsklasse IV eroberten sich die Maschinen wieder etliche Einsatzgebiete zurück, denn sie konnten fortan von örtlichen Lokrangierführern bedient werden, ohne dass man auf Lokführer zurückgreifen musste. Damit fanden die nun als 360/361 bzw. 364/365 (mit Funkfernsteuerung) bezeichneten Maschinen wieder verstärkte Betätigung auf der Unterelbebahn – für 1991 ist etwa Stade als Einsatzort nachgewiesen.
Auch Cuxhaven kam wieder als Einsatzgebiet hinzu, zeitweilig, wie zum Beispiel im Winterfahrplan 1996/97, waren hierhin sogar zwei Maschinen abgeordnet. Stade hingegen verlor seine V 60 in dieser Zeit.
Seit dem 1. Januar 1994 war das BW Wilhelmsburg – zwischenzeitlich hatte es die Bezeichnung BW Hamburg 4 getragen – als Einsatzstelle Wilhelmsburg dem Betriebshof Maschen unterstellt. Die Koordination der unveränderten Einsätze erfolgte fortan von dort. Seit Mitte November 2004 ist das neue Instandhaltungswerk Maschen in Betrieb, das nun die Instandhaltungsaufgaben des ehemaligen BW Hamburg-Wilhelmsburg übernommen hat. Die dortige Werkstatt konnte daraufhin aufgegeben werden [3], die Maschinen wurden entsprechend umbeheimatet.
Heute sind sowohl Stade als auch Cuxhaven fest in der Hand der V 60. In der Schwingestadt rangieren meist zwei Loks: eine im IBB-Containerbahnhof, eine auf den weitläufigen Gleisanlagen von DOW Chemical. In Cuxhaven ist eine V 60 auf der Hafenbahn in Betrieb. Die Maschinen, es handelt sich überwiegend um die Baureihe 363, zuvor 365, werden vom Bh Maschen aus eingesetzt. [4].
Anmerkungen
[1] Die nachfolgenden Ausführungen stützen sich im Wesentlichen auf die umfassendste Monographie zum Thema: Bretschneider, Arno; Traube, Manfred (1997): Die Baureihe V 60. Das Arbeitstier der DB. Freiburg: EK-Verlag.
[2] Vgl. Wenzel, Hansjürgen (1976): Die Baureihe 55. Wuppertal: Verlag Eisenbahn-Kurier e.V.
[3] Vgl. auch: o.V.(2005): Neues Instandhaltungswerk Maschen eingeweiht. In: Drehscheibe, H. 181, S. 58 sowie o.V.(2005): Neues Kombiwerk in Maschen. In: Lokrundschau, H. 181, S. 13.
[4] Eigene Beobachtungen des Verf., u.a. 2002, 2003, 2004, 2005. Vgl. zu Stade auch: o.V.(1999): Stade-Bützfleth. In: Drehscheibe, H. 134, S. 30.


