Egal ob im Personenzug- oder im Güterzugverkehr: Die Lokomotivbaureihe V 100 war in beinahe jeder Hinsicht eine Erfolgsgeschichte und hat sich deshalb auch vergleichsweise lange im Dienst der Bundesbahn und ihrer Nachfolgerin, der DB AG, behaupten können. Erst Ende 2004 schied das letzte Exemplar aus dem Dienst, bei Privatbahnen und Baufirmen sind die Loks noch immer gefragt. Und das, obwohl die erste Vorserienmaschine schon 1958 die Fabrikhallen verlassen hatte und die Serienloks ab 1961 gefertigt wurden. Kein Wunder also, dass die V 100 in ihren Varianten auch auf der Unterelbebahn zum Einsatz kam – beheimatet im BW Hamburg-Harburg.
Die ersten vier fabrikneuen Maschinen der Baureihe V 100.10 bekam das BW im April 1962 [1]. Sie wurden in Plänen der Baureihe 78 eingesetzt und verdrängten diese nach und nach [2]. Im November 1962 war der Bestand auf 22 Loks angewachsen. Auf der Unterelbebahn zählten 1963/64 Eilzüge nach Cuxhaven sowie der Vorortverkehr nach Neugraben und Stade zum Aufgabengebiet. Auch auf der KBS 217 b von Stade nach Bremerhaven sowie zwischen Bremerhaven und Cuxhaven machte sich die Baureihe nützlich. Neben Reisezügen war auch Güterverkehr zu fahren, vor allem in Übergaben um Harburg sowie zwischen Bremerhaven und Cuxhaven bzw. Stade.
Die leistungsstärkere und wendezugfähige V100.20, die spätere Baureihe 212, kam ab 1965 nach Harburg. Das dortige BW verfügte am Jahresende über acht Maschinen der V 100.20 und 16 Loks der schwächeren V100.10.
Der Jahre später waren alle V100.10 nach Altona und Flensburg abgegeben worden. Im Sommerfahrplan waren Reisezüge auf der Relation Hamburg-Cuxhaven bzw. Bremerhaven-Cuxhaven und Güterverkehr auf den übrigen Strecken des Elbe-Weser-Dreiecks enthalten. Mit der fortschreitenden Elektrifizierung entfielen zum Winterfahrplan 1968/69 viele Leistungen, so dass das BW Harburg die Beheimatung beendete und die Loks nach Altona abgab. Für die Fahrten im Elbe-Weser-Dreieck bekam das BW Bremerhaven nun vier entsprechende Maschinen zugeteilt. Das setzte sie auch zwischen Stade und Cuxhaven im Eilzugdienst ein – eine Aufgabe, die die Loks jedoch schon bald an die Baureihe 220 abgeben mussten. Fortan kamen die Loks im Planeinsatz nur über die Strecke von Bremerhaven nach Stade bzw. von Bremerhaven nach Cuxhaven. Die Unterelbebahn war also nur noch ein “Wendepunkt” für die Lokbaureihe. In späteren Jahren kamen Maschinen der Baureihe 212 nur noch außerplanmäßig, etwa für Überführungsfahrten oder Bauzugdienste, auf die Unterelbebahn.
Anmerkungen
[1] Eine umfassende Baureihendokumentation, die hier herangezogen wurde, liefert die jüngst erschienene Monographie: Große, Peter; Högemann, Josef (2005): Die Baureihe V 100. Generationswechsel bei der Deutschen Bundesbahn. Freiburg: EK-Verlag.
[2] Vgl. Ebel, Jürgen U.; Knipping, Andreas; Wenzel, Hansjürgen (1995): Die Baureihe 78. Bewährt in sechs Jahrzehnten: Preußens T 18. Freiburg: EK-Verlag, S. 202.


