Der Inbegriff der Berliner Stadtbahnlok waren einst die Lokomotiven der Baureihe T 11 und besonders der T 12. Die vor allem unter ihrer späteren Baureihenbezeichnung 74 bekannten Maschinen leisteten aber nicht nur in der damaligen Reichshauptstadt ihre Dienste, sondern waren viele Jahre auch ein Rückgrat des Zugbetriebs an der Niederelbe.
Die ersten Maschinen der Baureihe T 12 gelangten 1905 auf die Unterelbebahn [1]. Laut Zuteilungsplan kamen 7701 im Februar, 7702-7704 im Folgemonat zur Betriebswerkstatt Cuxhaven. Die der Reichsbahndirektion Altona zugehörigen Loks waren für den Verkehr zwischen Cuxhaven und Hamburg zuständig. An dieser Zuordnung scheint sich in den Folgejahren nichts Wesentliches verändert zu haben, jedenfalls gehörten 7701-7704 auch 1912-1915 zum Einsatzbestand.
Die Lübeck-Büchener Eisenbahn rüstete 1937 fünf Maschinen vom Typ T 12 mit einer Stromlinienverkleidung aus, um sie zusammen mit Doppelstock-Wagen im Wendezugverkehr zwischen Hamburg und Lübeck bzw. zwischen Lübeck und Travemünde einzusetzen. Die windschnittige Verkleidung war allerdings nur eine moderne Optik – technisch blieb sie wirkungslos. Unter Regie der DRG liefen diese Loks ab 1943 auch im Wendezug-Vorortverkehr zwischen Hamburg, Neugraben und Buxtehude gemeinsam mit T 18.
Im August 1944 standen dem BW Cuxhaven 74 415, 74 712 sowie 74 912 zur Verfügung, Harburg wies mit 74 838 nur eine Maschine auf, die meisten Lokomotiven waren dem BW Hamburg-Hauptbahnhof sowie Altona zugeteilt. Zwei Jahre später besaß Cuxhaven noch immer zwei Maschinen, 74 712 und 74 837. Sie dürften dort im lokalen Verkehr, aber nicht auf der durchgehenden Relation Cuxhaven-Hamburg im Einsatz gewesen sein. Dazu waren die Vorräte zu gering [2].
Die Vorortszüge bis Neugraben/Buxtehude wurden von Maschinen des BW Hamburg-Berl. (ab 1952 BW Hamburg-Hauptbahnhof) bespannt, dass zu diesem Zeitpunkt immerhin 26 Lokomotiven beheimatete, darunter auch die ihrer Stromschale weitgehend beraubten ehemaligen LBE-Maschinen. Zunehmend gingen ab 1951 diese Leistungen jedoch an die T 18 über. Zu diesem Zeitpunkt hatte Cuxhaven seine Maschinen bereits abgegeben – die Beheimatung hatte dort bereits bis 1949 ein Ende gefunden. Wenig später, 1954, war auch der letzte Wendezugeinsatz der Baureihe 74 innerhalb der BD Hamburg auf der Strecke Wedel-Sülldorf Vergangenheit. Danach kamen die Maschinen nur noch im Rangier und Arbeitszugdienst zum Einsatz und damit auch möglicherweise auch auf die Unterelbebahn. Nach 58 Jahren war dann aber endgültig Schluss: Die letzten Loks in Hamburg wurden 1963 ausgemustert bzw. abgegeben.
Anmerkungen
[1] Eine umfassende Baureihendokumentation, die hier herangezogen wurde, liefert die Monographie: Ebel, Jürgen U.; Wenzel, Hansjürgen (1995): Die Baureihe 74. Die Geschichte der preußischen T 11 und T 12. Freiburg: EK-Verlag.
[2] Das gleiche galt auch für die größeren Maschinen der Baureihe T 18/ BR 78. Vgl. Ebel, Jürgen U. ; Knipping, Andreas; Wenzel, Hansjürgen (1995): Die Baureihe 78. Bewährt in sechs Jahrzehnten: Preußens T 18. Freiburg: EK-Verlag, S. 188.

