S-Bahn-Fahrzeuge

Die Länder Hamburg und Niedersachsen investieren rund 90 Mio. Euro in die Fahrzeugflotte von 42 zweistromfähigen Fahrzeuge der Baureihe ET 474.3, die auf der neuen S-Bahn-Strecke eingesetzt werden sollen. Hersteller der eigens konstruierten Zweistrom-Fahrzeuge ist das Firmenkonsortium Alstom/Bombardier Transportation. Der Konsortialführer Alstom mit Sitz in Salzgitter ist für die Mechanik und Bombardier mit Sitz in Hennigsdorf für die elektrische Ausrüstung der Fahrzeuge verantwortlich. Neun Fahrzeuge werden neu gebaut, die übrigen 33 Einheiten werden aus bereits vorhandenen Zügen der Baureihe 474 umgebaut. Dabei bekommen sie neue Mittelwagen, auf deren abgesenktem Dach Stromabnehmer und weitere Technik untergebacht wird. Dabei war die Herausforderung zu meistern, dass der Dachstromabnehmer einerseits die Oberleitung erreichen kann – zum anderen aber so versenkbar ist, dass er in das Tunnelprofil des S-Bahn-Netzes passt. In Neugraben werden sie über eine stromlose Systemwechselstelle vom 1200 Volt-Gleichstromnetz (Stromschiene) auf 15 kV/16,7 Hz Wechselstrom (Oberleitung) umschalten. Die Neubaufahrzeuge bekommen die Ordnungsnummern 474 104/604 bis 474 112/612, die umgebauten Züge werden als 474 113/613 bis 474 145/645 in den Bestand eingereiht [1].
Derzeit werden die ersten Züge in Betrieb genommen und unternehmen erste Testfahrten. Dafür fanden auch Probefahrten zwischen Stade und Neugraben statt – allerdings noch ohne den Pantographen zu benutzen. Am 13./14. Oktober 2005 konnte man die Einheit 4104 beobachten, die mit 753 002 und 110 169 zwischen beiden Bahnhöfen pendelte. Die Messfahrten stehen in Zusammenhang mit der EBA-Zulassung der neuen Baureihe. Die offizielle Übergabe der ersten Einheit ist für April kommenden Jahres vorgesehen.
Praktische Erfahrungen mit Zweisystemfahrzeuge hat bereits die AKN Eisenbahn AG gesammelt. Die Privatbahn aus Schleswig-Holstein ließ drei Fahrzeuge (Triebwagen VT 2.51, 2.52 und 2.68) so umbauen, dass sie sowohl mit dem Gleichstrom der S-Bahn als auch mit einem Dieselmotor betrieben werden können [2]. Der Einsatz solcher Fahrzeuge zwischen Stade und Hamburg wurde allerdings nie erwogen.

Anmerkungen
[1] Vgl. Lorenz, Jürgen (2005): Erste Zweisystem S-Bahn für die S-Bahn Hamburg. In: Eisenbahn-Kurier 39, H. 396, S. 15.
[2] Vgl. Pischek, Wolfgang u.a. (2002): Die Hamburger S-Bahn. Mit Gleichstrom durch die Hansestadt. München: Geramond-Verlag, S. 114 f.