Die Planungen sehen vor, dass die Infrastruktur der 32 Kilometer langen Strecke Neugraben – Stade an das S-Bahn-System angepasst wird. Die Optionen, die Strecke viergleisig auszubauen oder die bestehende Strecke mit einer Stromschiene nachzurüsten, schieden wegen zu hoher Kosten und technischer Schwierigkeiten von vorneherein aus [1]. Deshalb hat man sich für die Technik der Zweisystemfahrzeuge entschieden: In Neugraben wird eine Systemwechselstelle zur Verknüpfung der heutigen S-Bahn-Infrastruktur mit der Strecke nach Stade gebaut. Hier stellen die S-Bahn-Fahrzeuge rollend innerhalb eines stromlosen Gefälle-Abschnittes mit einer Länge von 135 Metern ihre Stromversorgung von Gleichstrom auf Wechselstrom um [1]. Bis Neugraben fahren sie mit 1200 Volt Gleichstrom aus der Stromschiene, ab Neugraben bis Stade mit 16,7 Hz Wechselstrom aus der Oberleitung.
Zwischen Neugraben und Stade werden sieben bereits bestehende Bahnstationen ab Frühjahr 2006 umgebaut. Die Stationen sind: Neu Wulmstorf, Buxtehude, Neukloster, Horneburg, Dollern, Agathenburg und Stade. Der Hamburger Stadtteil Fischbek erhält eine vollständig neue S-Bahn-Station.
Die Arbeiten zur Umgestaltung der Bahnanlagen zwischen Neugraben und Stade sind in zwei Ausschreibungsverfahren mit jeweils vier Losen aufgeteilt worden. Einmal geht es um den Kabelverlegungen (46 Kilometer Kabel sollen verlegt werden) sowie um Hoch- und Tiefbauten [2], zum anderen um den Bereich Elektrotechnik (Elektroanlagen, TK-Anlagen, Beleuchtungen, Sicherungstechnik) [3].
In Neu Wulmstorf werden die bestehenden Bahnsteige abgetragen und durch zwei 140 Meter lange Systembahnsteige ersetzt, die westlich der bisherigen entstehen sollen. Gegen die Unbilden des Wetters werden vier Schutzhäuschen aufgestellt. Daneben wird der Bahnübergang durch eine Unterführung ersetzt. Beide Maßnahmen sollen im April kommenden Jahres in Angriff genommen werden, wobei sich der Bau der Unterführung bis Ende 2007/Anfang 2008 erstrecken wird. Diese Verzögerung liegt daran, dass der nötige Planfeststellungsbeschluss voraussichtlich erst im ersten Quartal 2006 erteilt wird [4]. Im Zuge der Bauarbeiten für die Unterführung müssen mehrere Gebäude im Umfeld des Bahnübergangs, darunter der ehemalige Bahnhofsbau, sowie das Ladegleis entfernt werden [5].
In den Stationen Buxtehude, Neukloster, Horneburg, Dollern und Agathenburg werden die bisherigen Außenbahnsteige bzw. Mittelbahnsteige (Buxtehude) mit einer Nutzlänge von 240 Metern und einer Höhe von 38 Zentimetern durch Neubauten ersetzt, die dann nur noch 140 Meter lang, aber 76 Zentimeter hoch sind. Neukloster und Horneburg erhalten Systembahnsteige, die anderen Stationen bekommen konventionelle Bahnsteige. Abgesehen von Buxtehude, wo der Mittelbahnsteig bleibt, werden nur Außenbahnsteige errichtet. In diesem Abschnitt ist insgesamt der Gleisrückbau in einem Umfang von 2900 Metern und der Gleisneubau von 2700 Metern vorgesehen. Außerdem werden sieben Weichen zurückgebaut und neun neu eingebaut. Buxtehude bekommt zudem einen neuen Signalausleger und auch eine Abstellanlage für S-Bahn-Kurzzüge. In Fischbek, dem noch nicht vorhandenen Halt, muss natürlich ein komplett neuer Bahnsteig analog der genannten entstehen.
Die größten Umbauten stehen Neugraben und Stade bevor. In beiden Bahnhöfen sollen zusammen 3900 Meter Gleis zurückgebaut und 2800 Meter neu verlegt werden. 21 Weichen werden zurückgebaut, elf neue eingebaut. In Neugraben wird die Verknüpfung von S-Bahn und KBS 121 entstehen (Systemwechselstelle). Der geplante Gleisrückbau in Stade – betroffen soll davon das vierte Bahnsteiggleis sein – hat Proteste ausgelöst, denn die Schwinge-Stadt möchte sich die Option für eine Wiederaufnahme des SPNV nach Bremervörde/Bremerhaven offen halten, für den dieser derzeit nur sporadisch genutzte Bahnsteig dient [4]. Die übrigen Bahnsteige sollen an den S-Bahn-Standard angepasst werden. In Stade wird darüber hinaus eine 280 Meter lange, umzäunte Innenreinigungsanlage entstehen, in der die S-Bahn-Wagen für ihre nächsten Einsätze präpariert werden können.
Mit der S-Bahn-Verlängerung wird auch der Bedarf an Park & Ride-Plätzen enorm ansteigen. Die Bahnarbeiten an den Bahnanlagen gehen deshalb einher mit dem Ausbau von Parkkapazitäten an den zukünftigen S-Bahn-Stationen – so in Buxtehude, Neu Wulmstorf, Neukloster und Stade [6].
Anmerkungen
[1] Vgl. Pischek, Wolfgang u.a. (2002): Die Hamburger S-Bahn. Mit Gleichstrom durch die Hansestadt. München: Geramond-Verlag, S. 54.
[2] Vgl. DB ProjektBau GmbH Hamburg (2005): Ausschreibung S-Bahn Neugraben-Stade (Angebotsverbesserung). Darauf beziehen sich auch: o.V. (2005): KBS 121 Cuxhaven-Hamburg Hbf [Bericht über geplante Baumaßnahmen zur S-Bahn-Einführung]. In: Der Schienenbus H. 6, S. 34, sowie o.V. (2005): KBS 121 Hamburg-Cuxhaven [Streckenmeldung über geplante Baumaßnahmen zur S-Bahn-Einführung]. In: Drehscheibe H. 188, S. 49-50.
[3] Vgl. DB AG, Abt. Einkauf TT-N (2005): Ausschreibung S-Bahn Neugraben-Stade (Angebotsverbesserung).
[4] Vgl. Sulzyc, Thomas (2005): Die S-Bahn nach Stade kommt pünklich. In: Harburger Rundschau online. URL: http://www.abendblatt.de/daten/2005/09/21/484427.html (Stand: 26.11.2005).
[5] Vgl. Wisser, Karsten (2004): Erst Abrißbrine, dann S-Bahn-Bau. In: Harburger Rundschau online. URL: http://www.abendblatt.de/daten/2004/11/26/368656.html (Stand: 26.11.2005).
[6] Vgl. o.V. (2004): Buxtehude: Neues Parkhaus. In: Harburger Rundschau online. URL: http://www.abendblatt.de/daten/2004/07/14/317805.html (Stand: 26.11.2005).

