Ein S-Bahn-Anschluss für Stade – das ist schon lange ein Wunschtraum der Gemeinden vor den Toren Hamburgs gewesen. Seit 1984 – als die S-Bahn bis Neugraben eröffnet wurde – ist die Verlängerung der Gleichstrom-S-Bahn immer wieder diskutiert worden. Doch greifbare Ergebnisse blieben aus. Erst unter Bürgermeister Ortwin Runde kam Ende der 90-er Jahre von Hamburger Seite aus wieder Bewegung in die Diskussion. Man wollte die S-Bahn-Linie 3 zuerst bis nach Buxtehude verlängern. Ein Ausbau bis Stade war zu diesem Zeitpunkt eine Option für später.
Mit dem Regierungswechsel in der Hansestadt änderten sich auch die S-Bahn-Planungen. Im Februar 2002 erklärten der damalige Hamburger Verkehrssenator Mario Mettbach und Niedersachsens damalige Verkehrsministerin Susanne Knorre, dass die S-Bahn von Beginn an bis Stade gebaut werden soll – allerdings werde sie nicht 2003, sondern erst 2006 ihren Betrieb aufnehmen können. Die ersten Bauarbeiten sollten 2004 beginnen [1]. Der Streit ums Geld hatte das Projekt immer wieder verzögert. Damals wurde mit Gesamtkosten in Höhe von gigantischen 117,5 Millionen Euro gerechnet. Hamburg sollte davon 28,5 Millionen Euro übernehmen. Die beiden Bundesländer hatten sich darauf geeinigt, die Kosten nach dem „Territorialsprinzip“ (jeder bezahlt die Investitionen auf seinem Gebiet) aufzuteilen. Die Zahlen sind allerdings nicht als absolut anzusehen: Wie bei öffentlichen Investitionsvorhaben üblich, steigen und fallen die Kosten ohne ersichtlichen Grund immer mal wieder um Millionenbeträge…
Doch auch diese Pläne änderten sich noch einmal: Im Oktober 2003 unterzeichneten Niedersachsens Wirtschaftsminister Walter Hirche, Dr. Wolf Gorka, Geschäftsführer der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen, Ulrich Homburg, Vorstandsvorsitzender der DB Regio AG, und Werner Wojtaschek, Sprecher der Geschäftsführung der S-Bahn Hamburg GmbH, den Verkehrsvertrag für den niedersächsischen Teil der S-Bahn-Strecke von Hamburg-Neugraben nach Stade [2]. Der Vertrag sieht die Weiterführung der S-Bahn-Linie 3 von Hamburg-Neugraben bis Stade ab Dezember 2007 vor. Darüber hinaus wurde auch mit Mario Mettbach, damals noch Verkehrssenator der Freien und Hansestadt Hamburg, der Fahrzeugfinanzierungsvertrag unterzeichnet [3]. Dieser regelt die Beschaffung der speziellen “Zweistrom-Fahrzeuge”, die auf dieser Strecke eingesetzt werden sollen.
Der Verkehrsvertrag hat eine Laufzeit von zehn Jahren und gilt ab Dezember 2007. Er regelt das Fahrplanangebot, die Leistungsqualität der S-Bahn und die Zahlungen Niedersachsens an die S-Bahn Hamburg. Der vereinbarte Umfang des Verkehrsangebotes beträgt rund 700 000 Zugkilometer pro Jahr . Die verlängerte S-Bahn soll 200 000 Fahrgäste pro Jahr zusätzlich auf die Schiene locken.
Von Stade über Buxtehude bis Hamburg verkehrt die S-Bahn mindestens stündlich. Montags bis freitags wird das Angebot während des Berufsverkehrs bis hin zum 20-Minuten-Takt verdichtet, zwischen Buxtehude und Hamburg fahren die Züge in der morgendlichen Hauptverkehrszeit sogar alle zehn Minuten. Die Fahrtzeit von Hamburg Hbf nach Stade beträgt 57 Minuten. Der Regionalexpress-Verkehr zwischen Hamburg und Cuxhaven soll unverändert bestehen bleiben. Die Regionalzüge, die derzeit zwischen Stade und Neugraben verkehren, würden gestrichen werden. Die Triebwagen der Eisenbahnen- und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser GmbH (EVB) würden nur noch bis Buxtehude fahren, die Fahrgäste stiegen statt in Neugraben in Buxtehude in die S-Bahn um.
Einigen Gemeinden westlich von Stade gehen die bisherigen Planungen übrigens noch nicht weit genug: Sie fordern den die Verlängerung der S-Bahn bis nach Burweg. Eine Elektrifizierung der zweigleisigen Strecke sei leicht möglich, die Bundesstraße 73 könnte damit entlastet werden, argumentieren sie.
Anmerkungen
[1] Vgl. Eggert, Claudia; Althaus, Marco (2002): Knorre und Mettbach einig: S-Bahn-Verlängerung bis Stade. [Pressemitteilung der Behörde für Bau u. Verkehr, Hamburg, und des Nds. Ministerium für Wirtschaft, Technologie u. Verkehr, Hannover vom 20.02.2002]
[2] Vgl. Meyer-Lovis, Egbert u.a. (2003): Verträge zwischen den Ländern Hamburg, Niedersachsen und der S-Bahn Hamburg unterzeichnet. [Pressemitteilung der Deutschen Bahn AG, Hamburg u. Hannover, und der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen, Hannover, vom 22.10.2003]
[3] Vgl. Lorenz, Jürgen (2003): Ab 2007: S-Bahn Hamburg bis Stade. In: Eisenbahn-Kurier 37, H. 375, S. 7.

