Zukunftsaussichten

Die kommenden Jahre werden für die Eisenbahnstrecke Cuxhaven-Hamburg einen der größten Umbrüche ihrer Geschichte bedeuten. Mit der Ausschreibung der Regionalverkehrsleistungen zwischen Deutschlands größtem Nordseeheilbad und der Hansestadt sowie der Verlängerung des Hamburger S-Bahnnetzes von Neugraben bis Stade wird der Dezember 2007 eine historische Zäsur markieren.

  • Zum einen durchbricht die Hamburger S-Bahn ihr stromschienenbegrenztes Gleichstromnetz und dehnt sich damit erstmals ins niedersächsische Umland auf konventionelle Eisenbahnstrecken aus. Dafür wurden eigens speziell konstruierte S-Bahnen beschafft bzw. umgebaut.
  • Neue Fahrzeuge, die bis vor kurzem nur auf dem Reißbrett bestanden und die ihre Premiere auf der Unterelbebahn feiern werden, sind auch für den Regionalzugverkehr zwischen Cuxhaven und Hamburg vorgesehen. Im Oktober 2005 orderte die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) elf Lokomotiven des Typs TRAXX P 160 DE beim Schienenfahrzeughersteller Bombardier. Mit ihnen wird das Unternehmen, welches von der LNVG den Zuschlag erhält, in Zukunft den Zugverkehr auf der Kursbuchstrecke 121 abwickeln.
  • Die Einführung der neuen Fahrzeuge ist mit einem Abschied von der bisherigen Fahrzeuggeneration verbunden. Während die Baureihe 141 bereits durch die modernere 143 zwischen Stade und Neugraben beerbt wurde, versehen die Maschinen der Baureihe 218 noch bis 2007 ihren Dienst. Auch das inzwischen in die Jahre gekommene Wagenmaterial wird dann die Niederelbebahn verlassen.
  • Durch die Einführung der S-Bahn bis Stade werden die Bahnhöfe und Haltepunkte entlang der Strecke deutlich ihr Aussehen verändern, überall werden neue Bahnsteige gebaut und Stationen modernisiert – aber auch Gleisanlagen demontiert. Denn die Kehrseite der aktuellen Entwicklung ist die schleichende Reduzierung der Infrastruktur auf das für die aktuelle Betriebsabwicklung notwendige Maß. Das senkt auf den ersten Blick die laufenden Unterhaltskosten. Doch sobald aber etwas nicht nach Plan läuft oder zusätzliche Leistungen auf dem Programm stehen, kann es schnell eng werden. Dann fehlen Abstellanlagen, Kreuzungsmöglichkeiten oder Überleitverbindungen.
  • Nicht vergessen werden sollte auch der Personalabbau, der mit den Modernisierungen einher geht. Handbediente Formsignale und Weichen oder Schrankenposten, die seit über 120 Jahren das Bild an der Unterelbe prägen, verschwinden schrittweise. Und mit ihnen verlieren die Menschen, die der Bahn ein Gesicht gegeben haben, ihren Arbeitsplatz. Langfristig ist der Umbau der Strecke auf die Technik des elektronischen Stellwerks ESTW vorgesehen. Die benötigt außer den Mitarbeitern in der Streckenzentrale im fernen Hannover nur wenige, die noch vor Ort arbeiten und Leben.

Die Zäsur, die die Unterelbebahn erwartet, wird deshalb Folgen über den Schienenstrang hinaus haben. Dennoch gibt es Grund zur Hoffnung. Vielleicht werden in Zukunft mehr Fahrgäste auf der Schiene unterwegs sein, als bisher.

Neue Lok für die Unterelbe