Am Bahnhof Neuhaus rauscht der Zugverkehr schon seit Jahren vorbei: Der Bahnhof wurde am 2. Juni 1991 geschlossen. Nur noch ein Wärterposten ist heute in dem großen Bahnhofsgebäude untergebracht, aber auch seine Tage dürften gezählt sein. Der Neuhäuser Bahnhof ist in seiner heutigen Form eigentlich ein wahrer Schatz, der leider langsam anfängt, zu “vergammeln”. Denn er ist das einzige Bahnhofsgebäude an der Niederelbebahn, daß im Originalzustand erhalten ist. Keine größeren An- oder Umbauten haben sein Aussehen in den letzten 120 Jahren verändert. Deshalb wäre es angebracht, ihn unter Denkmalschutz zu stellen.
Das der Bahnhof Neuhaus (Oste) geschlossen wurde, hat er seiner unattraktiven Lage zu verdanken: Er liegt mehr als zwei Kilometer außerhalb der Gemeindegrenzen, mitten in der Feldmark. Gern wird in Hadeln erzählt, die Neuhäuser hätten aus Furcht vor dem “unheimlichen Dampfroß” den Bahnhof “weit draußen” vor dem Ort haben wollen. Doch dem ist nicht so. Vielmehr gaben finanzielle Gründe den Ausschlag für einen Bahnhof in der Feldmark.
In dem Protokoll einer Gemeindevorsteherversammlung der Gemeinden Neuhaus, Cadenberge, Geversdorf, Wingst und Voigtding vom 25. Oktober 1873 ist nachzulesen, daß man sich durchaus bemühte, die Bahn näher an den Ort Neuhaus heranzuführen. In der Versammlung ging es darum, “daß die jetzt von der Regierung genehmigte Linie zwischen Cadenberge und Otterndorf zu verschieben, und zwar von der Langenstraße bei Cadenberge mit einer gelinden Krümmung direkt nach Neuhaus a. d. Oste zu legen, und von dort unter Beschreibung einer abermaligen Krümmung in möglichst gerader Linie von Ost nach West nach Otterndorf zu bauen ist”. Für die finanziell sehr schwach ausgestattete Eisenbahngesellschaft hätte die Berücksichtigung dieser Forderung beim Bau Mehrkosten von 100 000 Talern bedeutet, jährlich wären etwa Kosten in Höhe von 7600 Taler für den Betrieb hinzugekommen.
Eröffnet: 1881
Geschlossen: 1991
Zustand 2006: In Betrieb als Schrankenposten
Die Eisenbahnstrecke hätte sich dabei um 1900 Meter verlängert. Die Unterelbesche Eisenbahngesellschaft war deshalb nur bereit, diese Mehrkosten zu tragen, wenn Neuhaus den Grunderwerb erleichtert und das Grundstück für den Bahnhof kostenfrei bereit gestellt hätte. Doch darauf konnte man sich nicht einigen. Den Bestrebungen, den Bahnhof so nahe “als technisch und finanziell möglich ist”, an den Flecken Neuhaus zu legen, wurde deshalb letztendlich nicht stattgegeben und der Bahnhof wurde, der ursprünglichen Planung folgend, an die südliche Peripherie des Ortes gebaut, zwei Kilometer vom Ort entfernt.



