HH-Unterelbe

Hamburg-Unterelbe


Kurz vor dem Bahnhof Harburg fallen dem aufmerksamen Bahnreisenden umfangreiche Gleisanlagen und ein ein Bahnhofsgebäude auf. Es handelt sich dabei um den ehemaligen Bahnhof Hamburg-Unterelbe. Er entstand 1881 als Endpunkt der Unterelbebahn, die damit in Harburg ihren eigenen Bahnhof besaß. Über ein Anschlussgleis war der Bahnhof mit dem übrigen Streckennetz verbunden, die Züge fuhren nur teilweise bis zum Staatsbahnhof durch, der zuerst noch an der Grubestraße lag. Der heutige Harburger Bahnhof entstand erst 1897.
Der Unterelbe-Bahnhof erlangte nach der Verstaatlichung der Bahngesellschaft 1890 für den Güterverkehr größere Bedeutung, als im Jahre 1898 die Harburger Hafenbahn ihren Betrieb aufnahm. Die Hafenbahn-Gleise hatten im Unterelbe-Bahnhof Anschluss an das weitere Schienennetz [1].
Zum Bahnhof gehörten auch ein Lokschuppen mit entsprechenden Gleisanlagen und einige Ladegleise. Diese Einrichtungen sind noch heute in Ansätzen vorhanden, allerdings wurden die meisten Gleise inzwischen aufgenommen oder sind eingewachsen. Der Lokschuppen befindet sich einem erbärmlichen Zustand.
Mit Aufnahme des S-Bahn-Betriebs nach Neugraben in Form von dampfbespannten Personenzügen nach Neugraben Ende der 1930er Jahre bekam der Bahnhof als Station des Nahverkehrs eine neue Bedeutung. Eingebunden in das Hamburger Schnellbahnnetz rückten die Bahnhöfe an der Unterelbebahn nun näher an die Hansestadt heran. Seit Einbeziehung der Strecke nach Neugraben in den Hamburger Verkehrsverbund im Jahre 1966 fungiert die Linie als S 3.
An den betrieblichen Zuständen änderte sich in den folgenden Jahrzehnten wenig. Lediglich die Elektrifizierung der Strecke 1968 führte zu einem Traktionswechsel: Die überalterten Dampfloks der Baureihen 74 und 78 wurden nun von E-Loks der Baureihe 141 abgelöst.
Ihre Funktion als Bahnhof des Personenverkehrs verlor die Station erst mit der Eröffnung der Gleichstrom-S-Bahn am 5. August 1984 [2]. Nach der Stillegung ging das Empfangsgebäude, errichtet nach den Einheitsplänen, in das Eigentum eines Sanitärhandels über, der es bis heute nutzt. Die beiden mechanischen Stellwerke „Huf“ (1906) und „Huw“ (1946) sind ebenfalls stillgelegt, nachdem im Abschnitt bis Neugraben moderne Sicherungstechnik die alten Formsignale abgelöst haben. Die Weichen werden jetzt vom ESTW Harburg gestellt, dessen Bedienoberfläche in Hannover steht. Die beiden fotogenen Stellwerksgebäude wurden im Dezember 2001 abgerissen [3]. Allerdings gibt es bis heute einen Schrankenposten am „Cuxhavener Ende“ des Bahnhofs Unterelbe: Da der dortige Bahnübergang mit Vollschranken ausgestattet ist und die Kamerabilder nicht nach Hannover übertragen werden können, wurde dort mit der EStW-Einrichtung ein Container für einen Schrankenwärter aufgestellt [4].

Anmerkungen
[1] Vgl. Elsner, Harald; Behn, Stefan. (1986): Verkehrswege nach Harburg (= Verkehrshistorische Reihe: Hamburger Nahverkehrsmittel, Bd. 9.). Hamburg: Kayer, S. 12 f.
[2] Vgl. Elsner, Harald u.a. (1988): Der Stadtverkehr in Harburg (= Verkehrshistorische Reihe: Hamburger Nahverkehrsmittel, Bd. 12.). Hamburg: Kayer, S. 5f.
[3] Vgl. zu den Stellwerken Kötting, Holger (2005): Liste Deutscher Stellwerke – H. URL: http://stellwerke.de/liste/seite311.html. (Stand: 15.09.2005)
[4] Vgl. o.V. (2000): EStW Harburg geht in Betrieb. In: Drehscheibe, H. 148, S. 35 f.
Weitere Fotos aus Hamburg-Unterelbe finden sich auf der Seite von Jan Borchers unter der Adresse http://www.bahnfotokiste.de.