Als Endpunkt der Unterelbeschen Eisenbahn kam dem Cuxhavener Bahnhof von Beginn an eine gehobene Bedeutung im Betriebsgeschehen zu. Um die Lokomotiven mit ihren damals noch geringeren Reichweiten warten und versorgen zu können, errichtete die Unterelbesche Eisenbahngesellschaft UEEG bereits 1881 eine Werkstatt in Cuxhaven. Der zweigleisigen Lokschuppen lag an der Zufahrt zum alten Stadtbahnhof – in einer Linie mit dem bis heute existierenden Güterschuppen.
Mit der Verstaatlichung der Strecke am 1. Juli 1890 gingen auch sämtliche Betriebsgebäude in das Eigentum der preußischen Eisenbahnverwaltung über. Die Strecke nach Cuxhaven gehörte fortan zur Direktion Hannover bzw. ab 1899 Altona. Als am 30. Mai 1896 die Verbindung nach Geestemünde und zwei Jahre später der neue Stadtbahnhof eröffnet wurde, wurde Cuxhaven als Eisenbahnknotenpunkt bedeutsamer [1]. Der Eisenbahnverkehr in Cuxhaven nahm zu – und mit ihm auch die Zahl der Dampflokomotiven, die versorgt und gewartet werden mussten. Deshalb entstand an der heutigen Meyerstraße ein 12-ständiger Ringlokschuppen mit Drehscheibe nebst Wasserturm, Bekohlungsanlage, Wasserkränen, Betriebswerkstatt, Übernachtungsgebäude und Ölschuppen. Der alte zweigleisige Lokschuppen aus den Anfangstagen der UEEG blieb weiter bestehen. Er dürfte vermutlich im Zusammenhang mit dem Neubau des Fischversandbahnhofs 1934/35 abgerissen worden sein, als im Gleisbereich des Cuxhavener Bahnhofs große Veränderungen vorgenommen wurden [2]. Die baulichen Einrichtungen des Bahnbetriebswerks blieben danach weitgehend unverändert, abgesehen von kleineren Veränderungen in der Gleislage und einigen Betriebsbauten. Erst nach der Auflösung des BW Cuxhaven als eigenständiges Bahnbetriebswerk mit Fahrzeugbeheimatung zum 30. September 1960 wurden einige Stände des Lokschuppens abgetrennt, sodass dieser nur noch acht Gleise besaß. Die Dampflokbehandlungsanlage ersetzte man durch eine moderne Dieselloktankstelle. 1983 wurde der Lokschuppen schließlich vollständig abgerissen und die Drehscheibe ausgebaut [3].
Bis heute werden die verbliebenen Restgleise des BW Cuxhaven zur Abstellung und Betankung von Lokomotiven und Triebwagen genutzt.
Die Fahrzeuge, die das Bahnbetriebswerk Cuxhaven beheimatete, sind bislang leider nur sehr lückenhaft bekannt. Die folgende Aufzählung ist daher nur als grober Anhaltspunkt zu sehen.
Die ersten Loks in Cuxhaven waren die zehn 1’B1’-Tenderlokomotiven der UEEG, die nach der Verstaatlichung als T 5 1590 Hannover bis T 5 1599 Hannover in den Bestand der Königlich Preußischen Eisenbahnverwaltung wechselten. Ob und wie lange sie dem BW Cuxhaven zugeordnet waren, lässt sich nicht sagen. Sie wurden ab 1905 ergänzt durch Loks vom Typ T 12 (7701-7704), die dem Cuxhavener Betriebswerk fabrikneu zugeteilt wurden [4]. Für den Eil- und Personenzugdienst beheimatete Cuxhaven Maschinen der Baureihen 38 und 78. Im Güterzugdienst waren Loks der Baureihen 55 und 56.2 sowie 50 und 58 im Einsatz – 1933 waren beispielsweise zehn Lokomotiven der Baureihe 55 im Bestand des BW Cuxhaven verzeichnet [5].
Ab Mitte der 30er Jahre kamen mit den Kleinloks der Baureihen Kb und Kö die ersten Motorlokomotiven nach Cuxhaven. Sie wurden nach dem Krieg ergänzt durch Loks vom Typ V20/V22, die für den Rangierdienst im Hafen eingesetzt wurden.
In den 50er Jahren ist zudem die Beheimatung von Triebwagen bekannt, ab 1956 setzte das BW Cuxhaven die drei Schienenbusse VT 98 9620, 9618 und 9619 sowie mindestens sechs Beiwagen ein. Sie lösten alte Triebwagen der Baureihe VT 33 (?) ab.
Anmerkungen
[1] Vgl. Bormann, Hermann (1985): Bilder zur Geschichte des hamburgischen Amtes Ritzebüttel und der Stadt Cuxhaven. Der Flecken Ritzebüttel, Teil 2 (Veröffentlichung des Archivs der Stadt Cuxhaven Bd. 10). Cuxhaven: Cuxhavener Nachrichten, S. 271ff.
[2] Vgl. Teichgräber, A. (1936): Die Fischmarktanlagen in Cuxhaven und der neue Fischversandbahnhof. In: Hafenbautechnische Gesellschaft (Hrsg): Jahrbuch der Hafenbautechnischen Gesellschaft Bd. 14. Berlin u.a.: Springer, S. 72 u. 75.
[3] Vgl. Heitmann, Ulf (1985): Heimat für Lokomotiven. Bahnbetriebswerke der BD Hamburg. Hamburg: Arbeitsgemeinschaft Lokrundschau, S. 14.
[4] Vgl. Ebel, Jürgen U.; Wenzel, Hansjürgen (1995): Die Baureihe 74. Die Geschichte der preußischen T 11 und T 12. Freiburg: EK-Verlag, S. 179.
[5] Vgl. Wenzel, Hansjürgen (1976): Die Baureihe 55. Wuppertal: Verlag Eisenbahn-Kurier, S. 86f.




