Cadenberge

Cadenberge


Die Eisenbahn stand in Cadenberge schon 1872 auf dem Programm einer Versammlung. Die “Distriktsgemeinde-Versammlung der Interessenten der Distriktsgemeinde Cadenberge” befaßte sich zum ersten Mal auf einer Gemeindeversammlung am 3. Dezember 1872 mit “Eisenbahnangelegenheiten”. Das sich die Versammlung mit “Eisenbahnangelegenheiten” befaßte, lag darin begründet, daß “glaubwürdigen Nachrichten” zufolge “hinter dem Dorfe” eine Eisenbahnhaltestelle angelegt werden sollte.
Für den Fall, daß in Cadenberge eine Haltestelle gebaut würde, beschloß die Versammlung einstimmig, daß die Bahnüberführung möglichst dort anzulegen sei, “wo der jetzige Langenstraßer Weg die Eisenbahnlinie durchschneidet”.
Diesem Beschluß folgend wurde schließlich auch beim Bau 1881 verfahren. An der Langenstraße errichtete man einen Bahnübergang. Weitere Überführungen entstanden an der Chaussee Stade-Ritzebüttel, der heutigen Bundesstraße 73, am Ostermoor und in der Westercadewisch. Auch am Kanal und an der Bahn in Richtung Neuhaus entstanden Überführungen.
Auf der gleichen Versammlung wurde Gemeindevorsteher beauftragt “der Regierung in Berlin die Wichtigkeit der Anlage einer Haltestelle sowohl für den hiesigen Ort selbst, als für den ganzen südlichen und östlichen Teil des Amtes Neuhaus dringend ans Herz zu legen”.
Dieser vorausblickenden Erklärung folgend, schloß die Distriktsgemeinde Cadenberge am 17.Oktober 1879 mit der Eisenbahn-Gesellschaft einen Vertrag, in welchem sich die Gesellschaft dazu verpflichtete, in Cadenberge einen Bahnhof einzurichten. Im Gegenzug stellte die Gemeinde der Gesellschaft das dazu “nötige Terrain im Umfang von 12 Morgen umsonst zur Disposition”.
Ein besorgniserregender Brief errichte die 14. Dezember 1880 tagende Distriktsversammlung vom “Minister der öffentlichen Arbeiten, in welchem Bedenken gegen die Lage der Haltestelle mitgeteilt wurden. Es ging um Nachforderungen finanzieller Art im Zusammenhang mit dem Bau einer Haltestelle in HöftgrubeDie Versammlung wies die Forderungen zurück und drängte auf Einhaltung des ursprünglichen. Cadenberge bekam schließlich auch vertragsgemäß eine Haltestelle mittlerer Größe. Um 1892 wohnten in Cadenberge zwei Bahnbeamte und fünf Bahnwärter.
Besonders für den Marktstandort Cadenberge war die neue Eisenbahnanbindung von großem Vorteil. War doch nun die Möglichkeit eines schnellen Viehtransportes gegeben. Das “Königliche-Eisenbahnbetriebsamt Harburg” setzte beispielsweise zum “Herbst-, Vieh- und Krammarkt am 17.10.1892 zwei zusätzliche Personenzüge ein. 1909 schreibt die “Neuhaus-Ostener-Zeitung”: “Auf dem hiesigen Bahnhof herrschte reger Verkehr und wurden ganze 65 (!) Waggons mit Vieh beladen”.
Zwischen 1905 und 1912 wurde das Bahnhofsgebäude den gewachsenen Verkehrsbedingungen entsprechend erweitert. In dieser Form ist es noch heute weitgehend erhalten. Zu Bundesbahnzeiten wurde der Bahnhof in Cadenberge 1984 stark umgerüstet: Das Stellwerk “Co” an der Bundesstraße 73 und der Wärterposten 247 am Bahnübergang wurden geschlossen, die Gebäude abgerissen. Cadenberge wurde damals auch mit Lichtsignalen ausgerüstet. Im Zuge der Bahnhofsmodernisierung 1998, bei welcher der Mittelbahnsteig entfernt und ein Außenbahnsteig eingerichtet wurde, sind auch die Gütergleise im Bahnhof verschwunden. Anstelle von Laderampe und Ladestraße befindet sich der übliche Parkplatz. Vom Cadenberger Bahnhofsgebäude aus (”Cdf”) werden heute noch durch den Fahrdienstleiter Weichen gestellt und Signale bedient. Die Technik wurde von Siemens und Halske 1985 geliefert, es wurde eine Anlage vom Typ E 43/50 eingebaut. Damit wurde gleichzeitig das alte mechanische Stellwerk im Bahnhof ausser Betrieb genommen.
In das Reich der Legende ist eine Geschichte einzuordnen, die noch heute gerne erzählt wird. Nach Überlieferungen soll die ständige Einrichtung einer Eilzugstation in Cadenberge dem Grafen Georg Bremer zu verdanken sein. Dieser soll einem Landverkauf aus seinem Besitz für das Eisenbahnterrain nur unter der Bedingung zugestimmt haben, daß, solange wie Eilzüge auf dieser Strecke verkehren, diese in Cadenberge halten müßten.
Und einer anekdotenhaften Geschichte zufolge soll Graf Bremer erklärt haben, er würde zu Pferde, neben der Eisenbahn reitend, über eine gewisse Distanz schneller sein als der Zug. Dem Erzählen nach soll der Graf inklusive Pferdewechsel als erster das Ziel erreicht haben.