Die Planungen zum Bau der Bahnstrecke Buchholz-Harsefeld-Hesedorf reichen bis in das 19. Jahrhundert zurück. Durch ein Gesetz vom 8. April 1895 wurde der Bau genehmigt. 1901 rückten preußische Pioniertruppen an und legten in schwerer Knochenarbeit die Bahnstrecke, die am 1. Februar 1902 eröffnet wurde. In Hesedorf bestand Anschluss an die Strecke Stade-Bremervörde, in Buchholz hatte die Strecke Verbindung zu allen von dort ausgehenden Strecken, unter anderem nach Hamburg.
Vor allem militärisch maß man der Verbindung eine Bedeutung zu. Ausgehend von Geestemünde über Bremervörde, Buchholz, Lüneburg, Dannenberg, Dömitz, Wittenberge mit Anschluss an die Berlin-Hamburger Bahn ergab sich die kürzeste Verbindung in die Hauptstadt. Durchgehend befahren wurde diese Relation allerdings nie, sie hatte vielmehr eine strategische Bedeutung.
Harsefeld, ungefähr auf der Hälfte zwischen Bremervörde und Buchholz gelegen, wurde zur Lokstation ausgebaut. Es existierte bis in die 1950er Jahre hinein ein zweiständiger Lokschuppen mit Drehscheibe. Durch die Eröffnung der Kleinbahn Buxtehude-Harsefeld bekam Harsefeld ab dem 21. Dezember 1928 als Anschlussbahnhof eine nochmals erweiterte Bedeutung zu. Entlang der 56,9 Kilometer langen Bahnstrecke gab es insgesamt zehn Stationen.
Die Bahnhofsgebäude wurden überwiegend nach einem Einheitsplan erbaut, nach dem bereits Gebäude an der Strecke Geestemünde-Bremervörde-Stade entstanden waren. Wesentliches Merkmal dieser kleinen Gebäude war die Verkleidung mit Holzbrettern, eigentlich eine für die Region untypische Bauweise. Heute stehen derartige Gebäude noch in Kutenholz und Brest-Aspe. Beide befinden sich leider in einem sehr schlechten Zustand. Ein wenig größer wurde das Gebäude des Bahnhofs Hollenstedt ausgeführt. Aus dieses erhielt eine Holzverkleidung. Im Gebäude selbst gab es eine Gastwirtschaft, außerdem waren die üblichen Einrichtungen für den Güter- und Personenverkehr vorhanden.
Für die auf der Strecke eingesetzten Fahrzeuge waren in den ersten Jahren die Maschinenämter Geestemünde und Bremen, sowie das Verkehrsamt Bremen verantwortlich. Die Züge wurden in den 30er und 40er Jahren von kleineren Dampfloks, beispielsweise der Baureihe 86, gezogen und bestanden meist aus einfachen Personenwagen (”Donnerbüchsen”).
Während des Zweiten Weltkrieges zerstörten Tiefflieger mehrere Brücken, darunter auch die Oste-Brücken bei Bremervörde. Auch einzelne Züge wurden angegriffen. Die Bahnstrecken um Bremervörde waren aufgrund des Munitionsdepots in Hesedorf und des Marinesperrwaffenarsenals in Heinschenwalde Ziel der Allierten. Die Munitionszüge sollten aufgehalten werden. Die Strecke nach Buchholz war durch die Bombardements unterbrochen, erst ab 1952 rollten hier wieder die Züge.
Im Personenverkehr setzte die Bundesbahn nach dem Krieg auf die Schienenbusse der Baureihe VT 98. Den Güterverkehr bestritten nach Ende des Damfbetriebs die Loks der Baureihen V 100, V 60 und Köf II. Doch der Aufschwung währt nur kurzzeitig: Ende der 60er Jahre elektrifizierte man die Strecke Hamburg-Bremen. Für die Strecke nach Bremervörde, die die Hauptbahn auf einer Brücke querte, hätte man eine neue und höhere Brücke bauen müssen. Diese Investition war der Bundesbahn zu hoch. Am 26. Mai 1968 fuhren die Schienenbusse zum letzten Mal, dann wurde die Strecke zwischen Buchholz und Hollenstedt kurzerhand abgebaut. Der Personenverkehr endete damit ebenfalls. Im Dezember 1970 wurden die Gleisanlagen auf dem Bahnhof Harsefeld reduziert und der Anschluss zur BHE verändert, da das Verkehrsaufkommen nach der Einstellung des Personenverkehrs gesunken war. Nur noch sporadisch bediente die DB die Stichstrecke von Bremervörde aus im Güterverkehr. Ende der 80er Jahre zog sich die Bundesbahn auch aus dieser Sparte zurück. Die Bedienung der verbliebenen Kunden zwischen Beckdorf und Brest-Aspe übernahm ab dem 16. August 1988 die Buxtehude-Harsefelder Eisenbahn als “Regielinie”.
Wenig später, als sich die Bundesbahn flächendeckend von ihrem Streckennetz um Bremervörde trennte, kam die Wende – zumindest für den Teil der Strecke bis Harsefeld. Die Buxtehude-Harsefelder Eisenbahn ging 1993 in den Eisenbahnen- und Verkehrsbetrieben Elbe-Weser auf. Mit Schienenbussen und ab dem 25. September 1993 mit modernen Triebwagen der DB-Baureihe 628 kehrte Personenverkehr auf die Strecke zurück. Zuvor waren in den Bahnhöfen moderne Bahnsteige mit Glas-Wartehäuschen gebaut worden. In Harsefeld wurde die BHE-Stammstrecke an die Strecke nach Bremervörde neu angebunden. Auf dem Streckenstück Harsefeld-Beckdorf-Hollenstedt kehrte seit dem Ruhe ein, es wurde nur noch bei Bedarf befahren. Mittlerweile ist die Strecke in diesem Teilstück nicht mehr befahrbar, ein Großteil der Strecke demontiert.
Literatur
- Lawrenz, Dierk: Bahnhof Hollenstedt einst und jetzt. In: Eisenbahn-Kurier, H. 2/1999, S. 48.
- Bohlmann, Dieter-Theodor; Koch, Ulrich: Einhundert Jahre Eisenbahn in Bremervörde. Ein Streifzug durch die Geschichte der “Spinne” zwischen 1898 und 1998. In: Mitteilungen der Museumsbahn Bremerhaven-Bederkesa e.V. 8, (1998), H. 48, S.9-33.
- Bohlmann, Dieter-Theodor: Eine Kleinbahn an der Unterelbe. Buxtehude-Harsefelder Eisenbahn. Gifhorn 1988.
- Bohlmann, Dieter-Theodor; Kästner, Günter: Buxtehude-Harsefelder Eisenbahn. Gifhorn 1978.

