Die Erschließung der von der Landwirtschaft geprägten Gebiete zwischen Wilstedt, Zeven und Tostedt war die Aufgabe der Wilstedt-Zeven-Tostedter Eisenbahn. Industrie gab und gibt es hier kaum und so waren landwirtschaftliche Güter, wie Kartoffeln, Getreide, Zuckerrüben, Schlachtvieh neben der Personenbeförderung einzige Transportaufgabe. Die Eisenbahngesellschaft, an der sich der preußische Staat, die Provinz Hannover, die Gemeinden entlang der Strecke sowie die Klosterkammer Hannover beteiligten, wurde am 21. August 1912 gegründet. Sie hatte ein Stammkapital von 3,3 Millionen Mark. Die Genehmigung für den Bahnbetrieb erteilte der Regierungspräsident Stade am 12. September desselben Jahres. Dabeit war der Weg für die Bauarbeiten frei.
Unter der Leitung des Landesbaurates Sprengell rückten Vermessungstrupps an, um die Bahntrasse genau zu vermesssen. Die Bauarbeiter nahmen ihre Arbeit am 1. April 1913 auf – geleitet von Fritz Geffert, den man später zum erste Betriebsleiter der WZTE bestellte. Die Wirren des Ersten Weltkriegs bereiteten beim Bau besondere Schwierigkeiten. Material- und Personalknappheit waren an der Tagesordnung. Trotzdem gelang es, den Schienenstrang zwischen Wilstedt, Zeven und Tostedt fertigzustellen. Der erste Güterzug verkehrte am 2. Januar 1917. Bis zur Eröffnung dauerte es dann aber noch einige Monate: Erst am 15. Juni 1917 wurde die 63,6 Kilometer lange Strecke ihrer Bestimmung übergeben.
In Zeven und Tostedt bestand Anschluss an die Staatsbahn. In ihrem ersten Betriebsjahr beförderte die junge Kleinbahn 60 000 Fahrgäste und 76 000 Tonnen Güter. Betrieblicher Mittelpunkt der WZTE war der Bahnhof Zeven-Süd. Hier besaß die Kleinbahn einen Rundlokschuppen mit Drehscheibe, dessen Reste noch heute als Busgarage dienen. Außerdem war hier die Verwaltung angesiedelt – in jenem Gebäude, das heute die EVB beherbergt.
Der Verkehr bewegte sich immer in bescheidenem Rahmen. Am höchsten frequentiert war der Streckenast zwischen Zeven und Tostedt. Zwischen Zeven und Tarmstedt nahm der Verkehr erst spürbar zu, als dort 1934 ein direkter Übergang zur Kleinbahn Bremen-Tarmstedt hergestellt wurde. Die Fahrpläne beider Bahnen stimmte man aufeinander ab, so dass es fortan durchgehende Zugverbindungen bis Bremen gab.
Hohes Verkehrsaufkommen bescherte der Bahn in den 1930er ausgerechnet die gummibereifte Konkurrenz: Beim Bau der Autobahn rollten über die Gleise der WZTE zahlreiche Baustofftransporte. 1930 beförderte die Kleinbahn denn auch 206 675 Tonnen Güter, wenig später, 1938, fiel die Zahl auf 84 939 Tonnen zurück. Ihre höchsten Güterverkehrsleistungen erbachte die Bahn allerdings erst in den 1960er Jahren: 1966 rollten 271 000 Tonnen Güter über die Schienen der Bahn. Die Betriebsführung der Kleinbahn hatte am 1. Januar 1934 das Landeskleinbahnamt Hannover übernommen, ab 1959 war es dann die Osthannoversche Eisenbahn.
Ab 1933 setzte die Bahn im Personenverkehr zunehmend auf den Einsatz von weniger kostenintensiven Triebwagen: Sie erwarb unter anderem drei Triebwagen der Waggonbaufabrik Wismar. Der Konkurrenz von der Straße konnten aber auch die rationellsten Triebwagen auf lange Sicht nichts entgegensetzen. Nach einem kurzen Aufschwung in der direkten Nachkriegszeit gingen die Passagierzahlen zurück. 1944 waren es 372 000 Passagiere, 1950 noch 333 000 – und 6000 bei den WZTE-Bussen, die zwischenzeitlich hinzugekommen waren. Die Zahl der Bahnfahrgäste ging bis 1966 auf 180 000 zurück. Zum Vergleich: Die WZTE-Busse transportierten im selben Jahr 694 000 Fahrgäste. Schließlich wurde der Personenverkehr auf der Schiene etappenweise eingestellt: Am 31. Mai 1964 zwischen Wilstedt und Tarmstedt, am 27. September 1964 zwischen Zeven und Tarmstedt und schließlich am 28. September 1971 zwischen Zeven und Tostedt.
Der Dampfbetrieb endete Anfang der 1960er Jahre. Die zuletzt vorhandenen Dampfrösser wurden bis Ende 1964 durch vier Dieselloks ersetzt. Ab 1969 arbeiteten die Betriebsleitungen der Wilstedt-Zeven-Tostedter Eisenbahn und der Bremervörde-Osterholzer Eisenbahn zusammen – ein frühes Vorzeichen der Fusion beider Unternehmen im Jahr 1981 zu den Eisenbahnen- und Verkehrsbetrieben Elbe-Weser.
Literatur
- Wolff, Gerd: Deutsche Klein- und Privatbahnen, Band 2 “Niedersachsen”. Verlag Wolfgang Zeunert, Gifhorn, 1973
WZTE: 50 Jahre Wilstedt-Zeven-Tostedter Eisenbahn. Zeven, 1967

