Geestebahn

Bremerhaven


Es ist der 11. September des Jahres 1830. Auf der Reede vor Bremerhaven liegt das amerikanische Segelschiff „Draper“. Es kommt von Baltimore und hat Ladung für eine Bremerhavener Firma an Bord. Kapitän Hillert verlangt, die Erlaubnis zum Einlaufen in den Hafen zu bekommen. Der Hafenmeister verweigert ihm diese zunächst – schließlich ist der Bremerhavener Hafen, Bremens neuer Hafen an der Wesermündung, nach drei Jahren Bauzeit gerade erst fertig geworden und soll eigentlich mit einer großen Feier eröffnet werden. Doch der Kapitän bleibt hart und setzt sich schließlich durch: Er darf am folgenden Tag die Schleuse passieren und als erstes Schiff in Bremerhaven einlaufen. Die große Feier zur Einweihung wurden übrigens wenig später abgesagt: Viele Bürger standen dem Hafenprojekt auch nach dessen Vollendung wegen der hohen Kosten zu kritisch gegenüber.

Die Gründung von Bremerhaven war die Reaktion Bremens auf die zunehmende Versandung der Weser am Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Seeschiffe konnten schon bald nicht einmal mehr den Vorhafen von Vegesack erreichen. Zunehmend war die Hansestadt auf Löschplätze in den Häfen des Großherzogtums Oldenburg angewiesen. Die aber lagen weit weg und waren verkehrsmäßig schlecht angebunden. Außerdem begab sich die Stadt damit in die Abhängigkeit der Oldenburger. All diese Faktoren wirkten sich lähmend auf den einst blühenden Seehandel der Bremer aus. So reiften allmählich Pläne, an der Geestemündung ein Gebiet zu erwerben und dort einen neuen bremischen Hafen anzulegen. Man trat in geheime Verhandlungen mit dem Königreich Hannover und wurde sich schließlich handelseinig. Die Verträge schlossen Vertreter beider Seiten am 11. Januar 1827 – 90 Hektar Land nördlich der Geestemündung wechselten zur Anlage eines Vorhafens für Bremen den Besitzer. Am 1. Mai des Jahres wehte zum ersten Mal die Bremer Flagge an der Geestemündung. Wenig später nahmen die Arbeiter unter Führung des holländischen Wasserbauingenieurs Johannes Jacobus van Ronzelen ihre Arbeit auf.

Der Erfolg des Bremer Hafenprojektes weckte schon bald auf hannoverscher Seite Interesse – man wollte von diesem Aufschwung profitieren und ebenfalls einen Hafen anlegen. Den Geestendorfer Bauern kaufte man deshalb einen streifen Land längs der Geeste ab und plante nach dem Vorbild Bremerhavens südlich des Flusses einen Hafen. Die Genehmigung zur Anlage eines Schiffsliegeplatzes erteilte der König am 10. Juni 1845. Zwei Jahre später, am 25. Juni 1847, erhielt der neue Ort den Namen “Geestemünde”.

Spätestens jetzt war der Zeitpunkt gekommen, auf über den Bau einer Bahnverbindung nachzudenken. Der Grundstein dafür wurde dafür schon beim Bau der Bahnstrecke Bremen-Hannover gelegt. Dazu schlossen beide Staaten am 14. April 1845 einen Staatsvertrag, in dem es in Paragraf 34 heißt:

„Daneben erklärt die freie Hansestadt Bremen schon gegenwärtig, eine etwaige Weiterführung der Hannover-Bremer Eisenbahn nach der Geeste auf ihrem Gebiete gestatten und thunlichst erleichtern, auch dem Bahnhofe bei Bremen eine solche Lage und Einrichtung geben zu wollen, dass jene Weiterführung der Hannover-Bremer Bahn zweckmäßig bewerkstelligt werden kann.“