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Nindorf-Lamstedter-Geesttonwerk


Die Nindorf-Lamstedter Geesttonwerke um 1930.
 

Geschichte

Die Anfänge dieser Ziegelei reichen bis in das Jahr 1900 zurück. Damals entschlossen sich die aus dem Alten Land stammenden Ziegeleibesitzer Bartels und Witt, auf der Lamstedter Geest ein Ziegeleibetrieb zu gründen. Auf der Suche nach einem ausreichenden Tonvorkommen wurden sie an der Nindorf-Hollener Grenze fündig. Zwischen 1901 und 1902 wurde das Werk errichtet.

Mai 2002: Gleisreste im Gebüsch.

Die Verkehrsanbindungen des Betriebs waren schwierig - schließlich lag die Ziegelei weitab von der Landstraße und hatte in der Nähe auch keine Schienenanbindung. Als Alternative blieb nur der Wasserweg: Die Oste war lediglich vier Kilometer entfernt. Nach langen Verhandlungen mit der Gemeinde Nindorf gelang es schließlich, die Genehmigung zum Bau eines Dammes zu bekommen, auf dem Feldbahngleise ausgelegt wurden. Am Osteufer wurde eine Verladestalle eingerichtet, per Feldbahn wurden die fertigen Produkte vom Werk zum Schiff transportiert. In der Gegenrichtung wurde Kohle vom Schiff zum Werk transportiert.

Die Ziegelei firmierte unter der Bezeichnung "Nindorf-Lamstedter Geesttonwerk" und war schon bald einer der größten Ziegeleibetriebe der Region. Das Tonwerk beschäftigte zeitweilig bis zu 100 Arbeiter. Ab 1910 wurden überwiegend Dachziegel produziert. Um die Loren (1913: 16 Stück) zwischen Tongrube und Werk sowie die Kastenwagen (1913: 47 Stück) zwischen Hafen und Werk zu bewegen, wurden zu Beginn Pferde eingesetzt. Aus den Lieferlisten der Firma Deutz geht hervor, dass zwei später Lokomotiven fabrikneu an die Ziegelei geliefert wurden. Die erste Lok soll demzufolge 1921 an die Ziegelei geliefert worden sein. Aus erhaltenen Unfallprotokollen geht hervor, dass 1924 mindestens eine "Benzollokomotive" in Betrieb war, die unter anderem auf der Strecke zwischen Werk und Oste fuhr. 1904 wurde zudem eine Dampflok des Herstellers Orenstein & Koppel beschafft. Bereits 1916 ist sie jedoch wieder verschwunden, der Betrieb wieder komplett auf Pferdebahn umgestellt.

Lage der Ziegelei nach einer Karte von 1973. Die Feldbahnstrecken sind rot eingezeichnet.

1922 übernahmen die Gesellschafter der Firma eine Ziegelei in Grauensiek, ließen die Anlagen abbrechen und unweit des Bahnhofs Hemmoor wieder aufbahen. Die Tochtergesellschaft trug die Bezeichnung "Basbecker Thonwerke Aktiengesellschaft". Ab 1950 wurde die lange Feldbahnstrecke nicht mehr benutzt. Lastwagen übernahmen auf der mittlerweile vorhandenen Straße den Ziegeltransport. Die Feldbahn zur Grube verkehrte jedoch bis zur Einstellung der Produktion. 1957 hatte die Ziegelei etwa 70 Mitarbeiter. Pro Jahr produzierte das Werk damals etwa 3,5 Millionen Dachpfannen und 1,5 Millionen Ziegelsteine. Es besaß eine moderne Schnelltrockungsanlage, die eine Trockungszeit von lediglich drei Tagen ermöglichte. Der Betrieb der Ziegelei wurde vermutlich in den 1970er Jahren eingestellt. Heute sind einige Werksgebäude noch erhalten. Auf dem Damm, der Feldbahntrasse, zur ehemaligen Verladeanlage an der Oste verläuft heute ein Weg, der "Schienendamm". Auf ehemaligen dem Werksgelände ließen sich im Mai 2002 noch im Gebüsch einige rostige Schienenreste finden. Sie stammen vermutlich von der Schiebebahn in den Trockenschuppen und hatten 500 Millimeter Spurweite. Die Nindorf-Lamstedter Geesttonwerke Bartels & Witt sind noch heute im Handelsregister eingetragen.

Fahrzeugpark Lokomotiven (600-mm-Spur)

Hersteller: Orenstein & Koppel
Baujahr: 19??
Bauart: B-dm
Fabriknummer: 364
Vermtl. neu geliefert, nur kurzzeitig im Einsatz, vermtl. verkauft.
Hersteller: Deutz
Baujahr: 1921
Bauart: B-dm
Fabriknummer: 4129
Typ: C XIV F
Die Lok wurde laut Lieferliste neu an das Nindorf-Lamstedter-Geest-Tonwerk, Lamstedt-Hechthausen, geliefert. Ihr Verbleib ist unbekannt, sie wurde vermtl. verschrottet.
Hersteller: Deutz
Baujahr: 1934
Bauart: B-dm
Fabriknummer: 11882
Typ: MLH 322 F
Die Lok wurde laut Lieferliste neu an das Nindorf-Lamstedter-Geest-Tonwerk, Lamstedt-Hechthausen, geliefert. Ihr Verbleib ist unbekannt, sie wurde vermtl. verschrottet.

Ehemaliges Betriebsgebäude der Geesttonwerke, 2002.