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Küstenschutzbahn bei Arensch


Schöma 1755 im Sommer 2002 mit einem Zug unterwegs auf der Strecke.
 

Geschichte

Der Einsatz der Feldbahn beim aktiven und passiven Küstenschutz im Arenscher Außendeich hat eine lange Geschichte. Bereits im Jahr 1912 wurde eine erste Feldbahnstrecke entlang der Sommerdeiche gebaut. Welchen Umfang die Gleisanlagen erreichte und was für Fahrzeuge eingesetzt wurden, ist nicht bekannt.

1935 wurde von Duhnen ins Arenscher Deichvorland eine Feldbahn gelegt. Sie diente dem Transport von Kleierde zu einer Deichbaustelle bei Duhnen. Über die Einrichtung dieser Feldbahnstrecke, die seinerzeit erhebliche Proteste hervorrief, ist im Cuxhavener Stadtarchiv eine Aufzeichnung erhalten. Die Feldbahn errichtete das noch heute existierende Cuxhavener Hoch- und Tiefbauunternehmen Ludwig Voss, das den Auftrag zur Sicherung der Seeküste und für Deich- und Dühnenarbeiten in Duhnen erhalten hatte. Im Bauvertrag war der Transport der Kleierde mit der Feldbahn festgelegt. Die Trasse verlief fast genau dort, wo bis vor einigen Jahren das Gleis der Küstenschutzbahn nach Duhnen gelegen hat.

Sogar Bagger werden mit der Feldbahn transportiert! (Sommer 2002)

Möglicherweise ist das Gleis nach dem Abschluss der Deichbauarbeiten für die Landgewinnung und damit die Küstenschutzbahn weitergenutzt worden. Neben der größtenteils identischen Lage spricht dafür auch die Tatsache, dass die Gleisanlagen seinerzeit an der Sahlenburger Promenade aufwändig verlegt wurden. In den Akten ist von Einzäunung und befestigten Übergängen die Rede. Ein entsprechendender Nachweis ließ sich bislang aber nicht erbringen.

Da diese Bahn direkt an der Kurpromenade vorüberfuhr, gab es immer wieder Anlass zu Beschwerden. Spielende Kinder auf den Gleisen könnten von der Bahn erfasst werden, warnte die Polizei. Die Landherrenschaft fürchtete, dass durch die lärmenden Lorenzüge die Pferde vor den Heuwagen scheuen würden. "Die Folgen dieser Einrichtung sind daher größtenteils unabsehbar", heißt es in einem Brief. Zudem störte der angeblich starke Verkehr den Badebetrieb - ein Argument, das aus heutiger Sicht eher lächerlich wirkt: Eineinhalbstündlich verkehrten die Züge mit jeweils 16 Loren.

Seit den 1930-er Jahren wurde die Landgewinnung auf zwischen Duhnen und dem Spiekaer Außentief vorangetrieben. Die eingesetzte 600-Millimeter-Feldbahn erreichte zur Zeit ihrer größten Ausdehnung eine Länge von etwa zehn Kilometern. Die Flächen, auf denen mit Lahnungen die Landgewinnung betrieben wird, nennen sich Anwachsflächen. Es gibt den Duhner, den Arenscher und den Spiekaer Anwachs. In den Monaten von März bis September wird in diesen Flächen gearbeitet. Es werden - einfach erklärt - Flächen mit Holz und Steinen "eingezäunt". Zum Meer hin findet sich in diesem Wall eine Öffnung. Bei Flut läuft das Wasser hier herein und die Sedimente können sich absetzten. Seit 1932 sind auf diese Weise etwa 400 Hektar Anwachsfläche entstanden.

Die Strecke

In Arensch existiert bis heute ein Bauhof. Dort werden Fahrzeuge und Arbeitsgeräte gewartet. Es gibt Lagerräume und Werkstätten. Auch ein Lokschuppen mit Untersuchungsgrube ist vorhanden. Auf dem Gelände befinden sich zahlreiche Abstellgleise.

Blick vom Deichschart in das Bauhof-Gelände Arensch.

Von dort führte bis vor wenigen Jahren neben dem Weg vor dem Wernerwald eine rund drei Kilometer lange Strecke mit Ausweichen bis nach Sahlenburg. Hinter dem Gelände der Nordheim-Stiftung gab es eine Außenstelle des Bauhofes. Von da aus ging die Strecke noch etwa rund einen Kilometer Richtung Duhnen. Die Verbindungsstrecke zwischen den beiden Bauhöfen ist schon seit Anfang der 1990er-Jahre nicht mehr regelmäßig befahren worden. Wenn eine Lok in Sahlenburg benötigt wurde, transportierte man sie mit dem Lastwagen dorthin. Zuvor war Schöma 377 lange Jahre in Sahlenburg in einem Schuppen stationiert. Heute (2002) erinnert außer einigen Erdhaufen und einem Stapel stark verrosteter Feldbahnschienen nichts mehr an den einstigen Lagerplatz Sahlenburg (2003 immer noch vorhanden). Die Strecke bis Arensch ist vollständig demontiert.

Im Frühjahr 2002 wurde in Arensch der letzte Rest der Verbindung nach Sahlenburg - die Kreuzung vor dem Bauhof - ausgebaut. Im Zuge dieser Arbeiten verschwand auch ein Stumpfgleis außerhalb des Bauhofgeländes, das landeinwärts führte. Es endete dort, wo sich bis in die 1950er Jahre der Bauhof befand (heute ein privater Reiterhof). Das Gleis wurde nach der Bauhof-Verlegung gelegentlich als Ladegleis für Steine verwendet. Zuletzt war es allerdings komplett eingewachsen.

Regelmäßig befahren wurde 2002 nur noch die Strecke Richtung Spieka. Aus dem Bauhof heraus führt das Gleis mehrere hundert Meter Richtung Küste, dann verläuft es parallel zum Sommerdeich bis kurz vor dem Spiekaer Kutterhafen. Das Deichvorland ist hier bis zu zwei Kilometer breit. Insgesamt ist die Strecke rund sechs Kilometer lang. Derzeit befahren wird aber nur ein kurzes Streckenstück. Bereits in Höhe Berensch sind die Gleise stark eingewachsen. (Vgl. auch "Betrieb heute")

Lorenzug auf dem Bauhof. Fotos: Ahrendt

Für die Wasserbauarbeiten wurden zwischen 1932 und 1939 Arbeiter des "Freiwilligen Arbeitsdienstes" eingesetzt. Zwischen 1949 und 1977 waren Strafgefangene aus Hannover im Einsatz. Sie waren in Baracken auf dem Bauhof-Gelände untergebracht und wurden in speziellen Mannschaftswagen an ihren jeweiligen Einsatzort transportiert. Die beiden Wagen waren mit den Eingängen zueinander gekuppelt und mit bewaffnetem Sicherheitspersonal besetzt. Beide Wagen sind heute noch vorhanden und werden als "Personenwagen" benutzt.

Für die Materialtransportaufgaben hält der Bauhof verschiedenste Wagen vor. Angefangen von über 20 einfachen Kipploren über mehrere Flachwagen, die zum Teil mit Rungen ausgestattet sind, bis zu den Mannschaftswagen ist alles dabei. Mit einem speziellen Flachwagen werden sogar Bagger (!) transportiert. Die Fahrzeuge sind zum großen Teil im Freigelände des Bauhofes abgestellt. Die Loks verschwinden nach Dienstschluss im unzugänglichen Lokschuppen.

Lange Jahre wurde der Bauhof in Arensch vom Niedersächsischen Hafenamt Cuxhaven betrieben. Zum 1. März 1996 übernahm das Staatliche Amt für Wasser- und Abfall in Stade die wasserwirtschaftlichen Aufgaben vom Hafenamt. Es ist seitdem für den Bauhof und auch für die Feldbahn verantwortlich. Seit dem 1. Januar 1998 heißt die Behörde Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Küstenschutz (NLWK).

Betrieb heute

Wer in 2004 und 2004 den Bauhof Arensch besuchte, wurde enttäuscht: Keine Loks, nur einige Loren, zugewachsene Gleise - doch war ist kein Grund zur Ernüchterung. Denn die Feldbahn war nach vielen Jahren wieder einmal im Bereich Duhnen im Einsatz. Da die Strecke dort vor einigen Jahren entfernt worden ist, hatte man jetzt auf "fliegenden Gleisen" einen Feldbahnbetrieb eingerichtet. Auf halber Strecke am Strandweg zwischen Sahlenburg und Duhnen war ein provisorischer "Bauhof" aufgebaut worden. Von hier aus führte die Strecke einige hundert Meter parallel zum Deich im Vorland, das unter Naturschutz steht - es ist Nationalparkgebiet. Dann zweigte sie zu den Lahnungen ab, die saniert wurden. Die Fahrzeuge waren immer im Freien abgestellt und auch sonst ließ sich das Gelände prima fotografieren - es gibt sogar eine Aussichtsplattform in der unmittelbaren Nähe. Es hat auch eine Veränderung im Lokpark gegeben. Seit Sommer 2003 ist eine Diema-Lok neu hinzugekommen, die alte Schöma stand von da ab als einzige Lok im Bauhof. Sie wurde im Winter 2004/2005 an das Moorbahn-Projekt im Ahlenmoor abgegeben.

Aktuelle Fotos aus Sahlenburg-Duhnen
Historische Fotos der Bahn von Rolf Tonner

Zukunftsperspektiven

Die Zukunft der Feldbahn scheint im Augenblick durch den Umstand gesichert, dass es den Nationalpark Wattenmeer gibt. "Für den Materialtransport in die Anwachsflächen kommen fast ausschließlich Gleis und Loren zum Einsatz, da der Wasserweg zu lang und ein Befahren der empfindlichen Salzwiesen mit schwerem Gerät aus Naturschutzgründen ausgeschlossen ist", heißt es in einer Broschüre des NLWK von 2001.

Fahrzeugpark Lokomotiven (600-mm-Spur)

Hersteller: Schöma
Baujahr: 1935
Bauart: B-dm
Fabriknummer: 189
Die Lok wurde neu über Kurt Kleffel, Hamburg, an das Amt für Strom- und Hafenbau (Cuxhaven-Lentzkai) geliefert. Später wurde sie vom Niedersächsischen Hafenamt - Bauhof Arensch - übernommen. Ihr Verbleib ist unbekannt.
Hersteller: Deutz
Baujahr: 1939
Bauart: B-dm
Fabriknummer: 21279
Typ: OMZ 117 F
Laut Lieferliste neu an Fa. Klingemann & Krebs, Hannover, für Kulturbauleitung Hoogstede. 19?? an Staatliche Mooradministration, Ahlenfalkenberg. 1969 an Niedersächsisches Hafenamt Cuxhaven - Bauhof Arensch. 1988 Abgabe an Niedersächsisches Deichmuseum, Dorum. 2002, 2003, 2004 dort vorhanden.
Hersteller: Schöma
Baujahr: 1938
Bauart: B-dm
Fabriknummer: 377
Neu geliefert an das Preußische Hafenbauamt Cuxhaven, später übernommen vom Niedersächsichen Hafenamt Cuxhaven - Bauhof Arensch, 198? modernisiert, 2002, 2003 vorhanden, 2004 abgestellt, 2005 an Moorbahn Ahlenmoor, Wanna, dort im Einsatz, seit 2007 Reservelok.
Hersteller: Schöma
Baujahr: 1956
Bauart: B-dm
Fabriknummer: 1755
Typ: CDL 10
Neu geliefert an Joseph Coenen, Ziegel- und Klinkerwerk, Linnich-Körrenzig bei Jülich, 9. August 1971 an Niedersächsisches Hafenamt Cuxhaven - Bauhof Arensch, 2002, 2003 vorhanden.
Hersteller: Diema
Baujahr: 1962
Bauart: B-dm
Fabriknummer: 2576
Typ: DS 20
Neu geliefert über Krupp-Dollberg an das Amt für Strom- und Hafenbau Hamburg - Außenstelle Insel Neuwerk. September 1987 an Niedersächsisches Hafenamt Cuxhaven - Bauhof Arensch, 2002, 2003 vorhanden.
Hersteller: Diema
Baujahr: 1963
Bauart: B-dm
Fabriknummer: 2599
Typ: DS 20
Neu geliefert an Ziegelei Reins, Loga/Leer, 19?? an Klinkerwerk Knabe, Kirchkimmen bei Hude, 1976 an Hamburger Wasserwerke, Werk Kalte Hofe, an Hamburger Wasserwerke, Hamburg, Werk Curslack "86-0176", über Eilers, Hamburg, 2003 an NLWK, Bauhof Arensch. Foto: Steffen Hartwich

Weitere Bilder und Informationen

Bilder u.a. der Arenscher Bahn in den 80er Jahren von Christian Wenger
Bilder von Andreas Otterbein

Literatur

Völz, Ulrich: Feldbahnen in Niedersachsen 1. Kiel 1991.
Recht, Carsten: Feldbahnen zwichen Meer und Moor. Buchholz 1997.
Niedersächsicher Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Küstenschutz - Betriebsstelle Stade (Hrsg.): 1901-2001: 100 Jahre Staatliche Wasserwirtschaft in Stade. Stade 2001.


Feierabend! Arbeitszug mit "Steuerwagen" voraus fährt am Nachmittag des 28. August 2002 Richtung Bauhof.