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Bahnen der Insel Helgoland: Der Erste Weltkrieg
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Der fast fertiggestellte Kabelbahn-Tunnel.
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Auf vielen Nordsee-Inseln gibt es heute noch Inselbahnen. Wie auf Borkum oder Wangerooge dienen sie dem Transport von Personen und Waren vom Schiffsanleger zum Hauptort der Insel und stellen oftmals eine nicht wegzudenkende Touristenattraktion dar. Das es, abgesehen von der heutigen Touristenbahn, die bekanntlich ohne Schienen auskommt, auch einmal eine Inselbahn auf Helgoland gegeben hat, ist dagegen kaum bekannt. Auch in gängiger Fachliteratur findet sie keine Berücksichtigung. Der Grund liegt sicherlich in ihrer Nutzung: Sie diente ausschließlich militärischen Zwecken. Man kann auch nicht von einer einzigen Inselbahn sprechen, wie es auf anderen Inseln der Fall ist. Vielmehr waren verschiedene Feld- und Schmalspurbahnen unterschiedlicher Spurweiten während der beiden Weltkriege auf Helgoland im Einsatz.
In den strategischen Plänen der deutschen Militärs spielte die Hochseeinsel Helgoland schon von Beginn an eine große Rolle. Bereits kurz nach der Übergabe der Insel von England an das Deutsche Reich am 10. August 1890 wurde vom Staat begonnen, große Flächen auf der Insel zu erwerben - in Erwartung einer späteren militärischen Nutzung. Bereits im Februar 1891 lagen erste Pläne für einen militärischen Ausbau der Insel vor. Im Sommer desselben Jahres wurde nach Abschluss der Vorarbeiten mit den Baumaßnahmen begonnen.
Zuerst errichtete man am Südrand des Unterlandes die so genannte "Marinemole". Heute befindet sich auf dieser Mole unter anderem das Zollamt. Der Anleger diente fortan dem Anlanden von Baumaterialien, Geschützen und Munition. Um das Material, zu dem später auch schwere Geschütze gehörten, vom Hafen in das Oberland transportieren zu können, entschied man sich zum Bau einer steilen Tunnelstrecke durch den Fels, die Ober- und Unterland verbinden sollte. Sie begann im Unterland an der neu erbauten Mole.
Bei beiden Bauvorhaben dürften die ersten Feldbahnen zum Einsatz gekommen sein. Auf "fliegenden Gleisen", die bei Bedarf schnell verlegt und wieder entfernt werden konnten, wurden schwere Kipploren durch Muskelkraft bewegt. Feldbahnen auf Baustellen waren damals alltäglich, als moderne Lastwagen noch nicht zur Verfügung standen. Kaum war der in den Felsen gehauene Tunnel im Rohbau fertiggestellt, wurde er bereits in Betrieb genommen. Er besaß zwei meterspurige Gleise. Im Oberland waren Winden angebracht, mit deren Hilfe Lorenzüge hochgezogen werden konnten.
Vermutlich sind bei allen größeren Bauvorhaben im Zuge der Befestigung der Insel Feldbahnen zum Einsatz gekommen, die größtenteils auf oben genannten flexiblen Gleisen liefen. Aber nicht nur für die vorübergehende Bauzeit wurden Schienen verlegt. Die Feldbahn war auch Bestandteil des Versorgungskonzeptes der Festungsanlagen. Auf fest verlegten meterspurigen Gleisen wurden Munition und andere Güter des täglichen Bedarfs über die Insel transportiert. Die Kanonenstände und die Haubitzenbatterie im Oberland hatten Gleisanschluss. Die Schienen reichten von der Südspitze, wo die Tunnelstrecke endete, bis zur Nordspitze der Insel. Abzweigungen führten zu den Kanonenständen.
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Personenbeförderung im Kabelbahn-Tunnel.
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Wie wichtig die Tunnelverbindung zum Oberland war, zeigt auch, dass sie an beiden Eingängen mit schweren Maschinengewehren geschützt wurde. Nicht ohne Grund: Im Eisenbahntunnel der Steilstrecke zweigten rechts und links Stollen der "Raumanlage" ab. Dort wurden unter anderem Zünder und Munition gelagert. Am unteren Eingang zur Tunnelstrecke befand sich eine Drehscheibe. Von dort aus gab es Verbindungen zu den Gleisanlagen des Unterlandes, wo 20 Hektar neue Landflächen aufgespült worden waren.
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Bauarbeiten im Oberland.
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Das Bahnnetz des Unterlandes war weit verzweigt. So hatten die Molen Gleisanschluss, um Güter vom Schiff direkt auf Loren umladen zu können. Magazine, Lagerplätze, Montagehallen und Werkstätten waren ebenfalls an das Gleisnetz angebunden, etliche Gebäude hatten Innengleise. Für die Lokomotiven gab es einen eigenen, zweiständigen Lokschuppen.
Neben zweiachsigen Dampfloks kamen auch Dieselloks und sogar Elektroloks zum Einsatz: Zumindest ein Teil des Gleisnetzes im Unterland war nämlich elektrifiziert. Ein Foto aus dem Jahr 1921 zeigt eine kleine zweiachsige Elektrolok, wie sie für die damalige Zeit "typisch" waren, mit einem Flachwagenzug vor dem damaligen Kraftwerk im Unterland. Die genaue Zahl der während dieser Zeit auf der Insel vorhandenen Lokomotiven ist unbekannt. Aus den Lieferunterlagen verschiedener Hersteller gehen lediglich die neu gelieferten Maschinen hervor. So lieferte die Lokomotivfabrik Orenstein & Koppel unter anderem 1915 zwei Diesellokomotiven an die Bauabteilung Helgoland der Kaiserlichen Werft Wilhelmshaven aus. Es ist aber davon auszugehen, dass noch zahlreiche weitere Maschinen im Einsatz waren.
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges war im Versailler Vertrag festgelegt worden, dass die Befestigungen, militärischen Anlagen und Häfen auf Helgoland unter Aufsicht einer alliierten Abrüstungskommission zerstört werden mussten. Ob die Gleisanlagen auch von dem Abbau betroffen waren, ist unbekannt. Sicherlich wurden aber auch sie in Mitleidenschaft gezogen. Etliche Bauwerke wurden gesprengt, doch vieles blieb auch erhalten. So wurden beispielsweise Verbindungshohlgänge nicht zerstört, sondern lediglich in bestimmten Abständen mit Zement verfüllt. Auch das Mischungsverhältnis des Zements wurde stellenweise so gewählt, dass man den Beton später einfacher wieder entfernen konnte. Der Tunnel der Kabelbahn vom Ober- ins Unterland wurde nur verkleinert und verschlossen, aber nicht gesprengt. 1922 waren diese "Entfestigungsarbeiten" abgeschlossen.
Roland Ahrendt
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| Dampflok auf der Bahnstrecke entlang der Uferpromenade.
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Literatur
• Fröhle, Claude/Kühn, Hans-Jürgen: Hochseefestung Helgoland. Eine militärgeschichtliche Entdeckungsreise. Teil I, 1891-1922, Herbolzheim 1998
• Fröhle, Claude/Kühn, Hans-Jürgen: Hochseefestung Helgoland. Eine militärgeschichtliche Entdeckungsreise. Teil II, 1934-1947, 2. Auflage, Herbolzheim 2001
• Herms, Michael: Flaggenwechsel auf Helgoland. Der Kampf um einen militärischen Vorposten in der Nordsee, Berlin 2002
• Merte, Jens: Lokomotivfabriken in Deutschland, Netphen 2001
• Packroß, Dr. James und Rickmers, Peter: Helgoland ruft, Hamburg, 1952
• Rickmers, Henry P. und Woosnam, Frank: Helgoland - eine Insel auf dem Weg nach Europa, Otterndorf, 1992.
• Fotos: Archiv "Der Helgoländer", Slg. Höhler und Slg. Ahrendt



