Feldbahnen im Deichbau
Die Ära der Feldbahnen im Deichbau begann gegen Ende des 19.Jahrhunderts. Zunächst wurden von Hand geschobene Loren auf lose verlegten Gleisen eingesetzt. Gegenüber den zuvor eingesetzten Handkarren bedeutete das einen enormen Fortschritt. Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein war der Deichbau eine schwere, körperlich anstrengende Arbeit. Dampfbagger für den Bodenaushub an der Kleientnahmestelle waren die erste große Verbesserung. Die handgeschobenen Loren wurden dann, zu Zügen zusammengekuppelt, von Dampf- beziehungsweise später Diesellokomotiven gezogen.
Feldbahnen im Deichbau hielten sich größtenteils bis in die 1960er Jahre. Die Sturmflut 1962 machte an vielen Orten Deicherhöhungen und auch Neubauten notwendig. So erlebten die Feldbahnen noch einmal einen ungeheuren Aufschwung, da geeignete gleislose Transportfahrzeuge noch nicht ausreichend zur Verfügung standen. Im Elbe-Weser-Dreieck aktive Baufirmen, wie beispielsweise die Unternehmen Siemer & Müller und Herdejürgen aus Bremen, erweiterten bis Ende der 1960er Jahre ihren Fahrzeugpark. In Einzelfällen waren die kleinen Bahnen aber auch noch bis in die 1980er Jahre im Einsatz, wie beispielsweise in den Jahren ab 1981 bei der "Arge Nieder-Ochtenhausen". Der so genannte "technische Fortschritt", der die Feldbahnen im Deichbau arbeitslos machte, war in diesem Falle die Entwicklung von geländegängigen Lastwagen und Spezialfahrzeugen und Änderungen in der Deichbautechnik. Heute finden Feldbahnen im Deichbau keine Verwendung mehr.
1949: Uferschutz brei Wremen Auf der Strecke zwischen Misselwardener Tief und Solthörn wurde das Deckwerk am Deichfuß mit Schotter, Trümmern und Basaltsälen erneuert. Zwischen dem Bahnhof Wremen und dem Misselwardener Siel wurde eine 10 Kilometer lange Feldbahnstrecke gelegt. Die Strecke überquerte den Deich am Wremer Tief. Fünf Dampfloks und drei Dieselloks soweie 130 Loren waren im Einsatz, sie gehörten den Firmen Lenz, Hannover und Herdejürgen, Bremen. Am Wremer Bahnhof wurden die Loren mittels eines dampfbetriebenen Greifbaggers beladen. Täglich verkehrten insgesamt 160 voll beladene Loren.
• 1960: Erhöhung und Verstärkung des Elbdeichs
Zwischen Grodener Siel und Altenbrucher Schleuse wurde auf einer Länge von 2,2 Kilometern der Deich auf NN + 6,80 Meter erhöht. Außerdem wurden Deichverteidigungswege gebaut. Der Kleikernauftrag wurde durch die Firma Siemer + Müller, Bremerhaven ausgeführt. Feldbahn mit Dampflok war im Einsatz.
• 1961: Erhöhung und Verstärkung des Elbdeichs
Von der Altenbrucher Schleuse in Richtung Otterndorf wurde auf einer Länge von 3,4 Kilometern der Deich auf NN + 7,20 Meter durch Kleikernauftrag erhöht. Feldbahn mit Diesellok war im Einsatz.
• 1962: Erhöhung und Verstärkung des Elbdeichs
Neben der Beseitung von Sturmflutschäden wurde im Anschluss an die vorangegangene Baumaßnahme der Deich um weitere 1,9 Kilometer auf NN + 7,50 Meter erhöht. Außerdem wurden Deichverteidigungswege gebaut. Feldbahn mit Diesellok war im Einsatz.
• 1963: Erhöhung und Verstärkung des Elbdeichs
Im Anschluss an die vorangegangene Baumaßnahme wurde der Deich um weitere 3,5 Kilometer auf NN + 7,50 Meter erhöht. Außerdem wurden Deichverteidigungswege gebaut. Feldbahn mit Diesellok war im Einsatz.
• 1964/65: Erhöhung des Elbdeichs
Im Anschluss an die vorangegangene Baumaßnahme wurde der Deich um weitere 4,4 Kilometer bis zum heutigen Belumer Radarturm auf NN + 7,50 Meter erhöht. Außerdem wurden Deichverteidigungswege gebaut. Letzter Einsatz der Feldbahn am Elbdeich.
• 1980/86: Arge Nieder-Ochtenhausen
Von 1980 an arbeitete die "Arbeitsgemeinschaft Nieder-Ochtenhausen" am Ostedeich nördlich von Bremervörde. Die Firmen Herdejürgen sowie Siemer + Müller lieferten das Feldbahnmaterial. Bis 1986 wurden die Loks hier noch eingesetzt und waren bis 1991 noch abgestellt vorhanden. Es handelte sich um den letzten Feldbahneinsatz im Deichbau überhaupt.
• Kramer, Johann: Entwicklung der Deichbautechnik an der Nordseeküste, in: Historischer Küstenschutz - Deichbau, Inselschutz und Binnenentwässerung an Nord- und Ostsee, S. 64-109, Stuttgart 1992
• Recht, Carsten: Feldbahnen zwischen Meer und Moor. Verlag C.
Recht, Buchholz, 1997
• Völz, Ulrich: Feldbahnen in Niedersachsen I. Arge
Bahn-Express, Kiel, 1991