Fischversandbahnhof wird zum Biergarten

(31.12.2005, rol)

Deutschlands einziger erhaltener Fischversandbahnhof, die unter Denkmalschutz stehende Bahnhofsanlage in Cuxhaven, wird zu einem Biergarten umgebaut. Das Land Niedersachsen hatte das Bauwerk vor einiger Zeit an einen privaten Investor verkauft. Der neue Eigentümer, die Firma Dahlhoff-Feinkost, will im hinteren (Gleis-)Bereich ihr Betriebsgelände erweitern. Der Gebäude-Bereich am vorderen Ende, wo vor einiger Zeit noch das inzwischen nach Bremerhaven abgewanderte „Museum der 50er Jahre“ zuhause war, wird derzeit zu einer „Brauhaus-Gastwirtschaft“ mit 250 Sitzplätzen umgebaut. Außerdem entsteht ein Biergarten mit 350 Sitzplätzen. Neben Bier sollen vor allem Schweinshaxen und Gänsebraten zum Angebot des Betriebs zählen, der die Gestaltung als „gemütlich-rustikal“ anstrebt – verbunden mit Unterhaltungsmusik eines Cuxhavener Entertainers. Bei diesen Merkmalen verwundert es wenig, dass als Zielgruppe vor allem Vereins- und Gruppenreisen aus dem gesamten Norddeutschen Raum angegeben werden.
Kommentar: Mit der neuen gastronomischen Nutzung ist aus Sicht des Denkmalschutzes der „worst case“ eingetreten. Die angestrebte Nutzung wird der historischen Dimension der einmaligen Anlage in keiner Weise gerecht. Hier geht es um billige Unterhaltung auf primitivem Biergarten-Niveau, mit der busweise die gefürchteten Kegelklubs nach Cuxhaven geholt werden sollen. Cuxhaven hat keine Tradition als Bierbraustadt, Schweinhaxen und ähnliche Gerichte gehören ebenfalls nicht zum Speiseplan der regionalen Küche. Durch den Verkauf an einen privaten Investor, dessen legitime Interesse sicherlich die Erzielung von finanziellen Einnahmen ist und dessen Entscheidung deshalb allenfalls bedauert werden kann, hat das Land Niedersachsen einen schwerwiegenden Fehler begangen. Die bereits diskutierte museale Nutzung des Komplexes mit einem maritimen Bezug ist nämlich damit nicht mehr möglich. Im Gespräch war u.a. der Umzug des Wrackmuseums in den Hafen und auch eine professionelle Einbindung des Museums der 50er Jahre. Beide hätten dem Ambiente der Anlage und dem Ansehen von Stadt und Land sicher allemal besser zu Gesicht gestanden, als die jetzt angestrebte Nutzung. Dass diese Entwicklung eingetreten ist, zeigt, auf welchem Niveau Cuxhaven mit seiner maritimen Vergangenheit umgeht. Sie reiht sich ein eine lange Folge von Fehlentwicklungen, zu den u.a. der Verkauf des Leuchtturms an einen privaten Investor zählt – immerhin ein Wahrzeihen der Stadt – sowie der jüngst genehmigte Bau eines Riesen- Appartementhauses im Vordeichgelände.

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