Eigentlich hätten die Züge der Nordseebahn schon lange an einem neuen Haltepunkt in Altenwalde Station machen können – wenn da nicht der mangelnde Wille auf Seiten der Stadt Cuxhaven wäre. Oberbürgermeister Arno Stabbert (CDU) erklärte vor kurzem gegenüber Landesnahverkehrsgesellschaft und der Deutschen Bahn AG, dass die Stadt sich wegen der hohen Kosten aus dem Projekt zurückziehen werde. Diese Entscheidung hat Stabbert mit seinen Mitarbeitern offenbar alleine getroffen, ohne vorab den zuständigen Ortsrat und den Altenwalder Ortsbürgermeister Werner Demuth zu informieren. Dort ist man über den Alleingang des neuen Oberbürgermeisters denn auch nicht gerade begeistert. Anlass für den Schritt waren offenbar erneute Kostensteigerungen, die die in chronischen Haushaltsnöten steckende Stadt aus ihrer Tasche hätte begleichen sollen. Anstatt von 50 000 Euro sei nun von 115 000 Euro die Rede gewesen, berichteten die Cuxhavener Nachrichten. Die Altenwalder haben das Haltepunkt-Projekt indes noch nicht abgeschrieben und für das kommende Jahr ihren Anteil am Projekt erneut in den Haushalt eingestellt.
Kommentar: Ein Haltepunkt in Altenwalde würde die Lebensqualität in diesem Cuxhavener Stadtteil erheblich erhöhen und damit dessen Attraktivität steigern. Allein aus dieser Sicht ist der selbstgefällige Schritt des Cuxhavener Oberbürgermeisters, der sich öffentlich bislang nur durch das Tragen einer historisch belasteten Bürgermeisterkette aus der NS-Zeit hervorgetan hat, völlig unverständlich. Unverständlich sind aber auch die mysteriösen Kostensteigerungen, die bislang niemand (auch nicht die LNVG) aufschlüsseln und begründen konnte. Sie lassen vermuten, dass hier ein sinnvolles Verkehrsprojekt künstlich totgerechnet werden soll. Es geht schließlich nur um einen einfachen Bahnsteig und kein Luxusbauwerk. Einziger wirklicher Kostenfaktor wäre daher nur die Steuerung für die Bahnübergangssicherung. Mit Eigenleistungen von Altenwalder Vereinen etwa und gebrauchten Materialien könnten die Kosten für den Bahnsteig gesenkt werden. Statt neuem Pflaster und neuen Laternen würden es auch gebrauchte Materialien tun. Nur muss sich bald etwas tun. Denn sonst ist der Zug endgültig abgefahren.
Haltepunkt Altenwalde: Stadt macht Rückzieher
(31.12.2005, rol)
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