S-Bahn nach Stade: Seid verschlungen, Millionen…

(11.02.2006, rol)

Die Verlängerung der S-Bahn von Hamburg nach Stade wird laut Presseberichten erheblich teurer, als zunächst geplant. Aus einem Entwurf einer Senatsdrucksache der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung soll demnach hervor gehen, dass nach Abschluss der Entwurfsplanung die ursprünglich kalkulierten Kosten „aufgrund einer fehlerhaften Planung der Bahn AG“ von 43 Millionen Euro auf 72 Millionen Euro in die Höhe schnellen, berichtet unter anderem das Stader Tageblatt. Die Kostenexplosion sei bereits bekannt gewesen, als der Bau- und Finanzierungsvertrag zwischen den Ländern Hamburg, Niedersachsen und der Bahn AG unterzeichnet wurde. Um das Projekt nicht zu gefährden, habe man aber trotzdem unterschrieben.Besonders verwunderlich an dem Millionenspiel ist, dass offenbar mehrere Summen in verschiedenen Höhen kursieren. Während die Hamburger Stadtentwicklungsbehörde und die Bahn AG von neuen Gesamtkosten in Höhe von 72 Millionen Euro sprechen, kommt man im niedersächsischen Verkehrsministerium „nur“ auf 69 Millionen. Trotz dieser Unstimmigkeiten und der exorbitanten Kostensteigerung halten alle Beteiligten an dem Vorhaben mit einer Eröffnung im Dezember 2007 fest. Die beiden Bundesländer müssen sich offenbar die Mehrkosten nun teilen. Die Bahn habe sich für die Fehlkalkulation entschuldigt. Beim Konzern heißt es, es sei nichts ungewöhnliches, wenn „im Zuge des Planungsfortschritts Projektinhalte präzisiert werden“. Im Ergebnis betrage der Projektumfang 72 Millionen Euro. „Wenn in der Vergangenheit Zahlen genannt wurden, dann beruhten die vermutlich auf einem früheren Stand der Planungen“, heißt es in einer ebenfalls im Tageblatt veröffentlichten Stellungnahme.
Kommentar: Dass es bei den Kosten für solche Großprojekte zu Abweichungen zwischen Planung und Ausführung kommen kann , ist völlig klar – aber sicher nicht in dieser Größenordnung. Entweder wurde wirklich falsch gerechnet oder von vorne herein mit falschen Zahlen operiert. Wie dem auch sei – ein solches „Versehen“ ist nicht zu entschuldigen. Denn es geht um mindestens (!) 26 Millionen Euro Differenz – wenn nicht noch mehr. Und das sind alles Gelder des Steuerzahlers, mit denen hier bedenkenlos herumgeworfen wird. Es ist deshalb angezeigt, nach den Verantwortlichen dafür zu fragen und personelle Konsequenzen einzufordern. Wer solche Fehlkalkulationen aufstellt, der sollte schnellstens dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Denn hat mit der „Präzisierung von Projektinhalten“ nichts mehr zu tun.
Bedenklich ist aber auch, mit welcher Sorglosigkeit und einem müden Schulterzucken bei den zuständigen Verwaltungsbehörden in Hamburg und Niedersachsen auf diese gigantische Kostenexplosion reagiert wird. In Zeiten einer permanenten Haushaltsnotlage wäre ein anderes Verhalten angebracht und eine detaillierte öffentliche Aufklärung des Vorfalls nötig.

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