Schlamperei und eine ungenügende Kalkulation der Deutschen Bahn AG haben offenbar zu den erheblichen Mehrkosten bei der Verlängerung er S-Bahn von Neugraben nach Stade geführt. Das geht aus einer Antwort des Hamburger Senats auf eine Kleine Anfrage hervor, die der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Jan Quast gestellt hatte (ewb berichtete). Die Verantwortung für die Kostenexplosion macht der Senat auf Seiten der Bahn AG aus: „Nach Angaben der DB AG hätten sich gegenüber der ursprünglichen Kostenschätzung aus dem Jahr 2002 die Kostenansätze für die Infrastruktur im Rahmen der Entwurfs- und Genehmigungsplanung deutlich erhöht. Ursache dafür seien eine nicht ausreichende Grundlagenermittlung sowie zu geringe Wertansätze für den Fahrweg und die Leit- und Sicherungstechnik.“ Besonders pikant: „Die Gespräche und Verhandlungen mit der DB AG haben ergeben, dass bei vollständiger Schätzung durch die Unternehmen der DB AG auch im Jahr 2002 die jetzt genannten Kosten darzustellen gewesen wären.“ Das legt den Schluss nahe, dass auf Seiten der Bahn offenbar überaus schlampig gerechnet wurde und man von Beginn an mit falschen Zahlen operierte
Die Investitionen für den Schienenweg werden sich deshalb von 43 Mio. Euro auf 72 Mio. Euro erhöhen; davon entfallen 29 Mio. Euro auf Hamburg. Allerdings: „Die endgültigen Kosten werden erst nach dem Ergebnis der Ausschreibungen feststehen.“ Es könnte also noch teurer werden. Die Kosten für die Zweistrom-Fahrzeuge (87,1 Mio. Euro, davon Hamburg 10,5 Mio. Euro) bleiben unverändert.
Dass die Kosten für das Schnellbahnprojekt sich beinahe verdoppeln würde, war den beteiligten Partnern schon lange bekannt: „Die DB AG hat die Länder Niedersachsen und Hamburg erstmalig im Februar 2005 mündlich informiert.“ Die Kenntnis dieser Entwicklung hinderte aber niemanden, die Verträge zu unterzeichnen – vorbehaltlich der Zustimmung der Gremien. Einzige Konsequenz: Es wurde ein Controlling-Verfahren zur weiteren Kostenentwicklung vereinbart.
Senat: DB verantwortlich für Kostenexplosion
(28.02.2006, rol)
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