Die Unterelbe’sche Eisenbahn…

(23.03.2009, rol)
Schlichtmann, Hans-Otto
Die Unterelbe’sche Eisenbahn
Harburg – Stade – Cuxhaven

Gebunden, 290 Seiten, Preis: 14,50 €
Verlag: Kreissparkasse Stade 2007

Eine Monographie zur Eisenbahnstrecke Cuxhaven-Hamburg – die hat es bislang noch nicht gegeben. Mit dem jetzt erschienen Band “Die Unterelbe’sche Eisenbahn Harburg – Stade – Cuxhaven” unternimmt Hans-Otto Schlichtmann einen ersten Schritt, diese Lücke der lokalen Historiographie zu schließen. In erster Linie ist das 290 Seiten starke Werk ein Bildband. In mühevoller Sammelarbeit hat der Autor innerhalb von vielen Jahren eine Fülle von Aufnahmen aus allen Epochen zusammengetragen. Ergänzt werden die Fotografien durch z.T. sehr ausführliche Bildunterschriften, mit denen Schlichtmann sie in ihren historischen Kontext einordnet. Außerdem sind immer wieder kurze Textabschnitte eingestreut – die in kompakter Art und Weise bestimmte Entwicklungen skizzieren.Zeitlich liegt der Schwerpunkt der Darstellung zwischen dem Bahnbau und dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, spätere Epochen werden nur noch episodenhaft gestreift. Ausführlich geht Schlichtmann auf die Vorgeschichte sowie die Bautätigkeiten ein. Mit kurzen Porträts werden der Streckenplaner – ein Ingenieur namens Mengel (leider wird kein Vorname angegeben) – sowie der Generalunternehmer Jürgen Hinrich Hagenah vorgestellt. Hagenah war eine bekannte Unternehmerpersönlichkeit der damaligen Zeit und auf verschiedensten Geschäftsfeldern aktiv. Zu seinen bekanntesten Unternehmungen gehörte die Gründung der Portland Cementfabrik in Hemmoor-Warstade – die durch den Bahnbau einen großen Aufschwung erlebte.

Der regionale Schwerpunkt des Werkes liegt eindeutig im Bereich der Stadt Stade – was wenig verwunderlich ist, denn Autor Schlichtmann hat als Stader zu seiner Heimatstadt bereits eine Reihe von historischen Fotobänden publiziert.

Schwachpunkt des Schlichtmannschen Werkes ist seine mangelhafte Gliederung. So geht der Autor teilweise chronologisch vor, durchbricht dieses Konzept jedoch zugunsten einer geographischen Vorgehensweise, in der alle Bahnstationen präsentiert werden. Anschließend wird der Stader Bahnhof breit vorgestellt, zu dem Schlichtmann über Exkurse u.a. zum Cuxhavener Seefischmarkt, der Baugeschichte des Hamburger Hauptbahnhofes sowie der Auswandererpoblematik oder der Darstellung von Gleisplänen des Jahres 1928 wieder zurückkehrt. Diese beliebig erscheinende Anordnung setzt sich bis zum Schluss fort. An dieser Stelle hätte man sich im Interesse der besseren Lesbarkeit eine deutlichere Strukturierung gewünscht.

Für die regionale Geschichtsschreibung bietet Schlichtmanns Arbeit eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten. So zeigt sich deutlich, welchen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernisierungsschub der Bahnbau für die Region bedeutete. In Stade ging mit dem teilweisen Abbau der Befestigungsanlagen die Zeit des Mittelalters endgültig zu Ende – eine vergleichbare Entwicklung ist auch für Lüneburg nachweisbar [1]. Zuletzt hatten die engen Stadttore sich hemmend auf das Wirtschaftsleben ausgewirkt, wenn etwa die für die Industriealisierung nötigen Dampfkessel nur unter größten Schwierigkeiten dort hindurchzubugsieren waren. Die Bahn durchbrach die alten Stadtgrenzen und ermöglichte der Region den Anschluss an ein neues Verkehrsnetz, mit dem sich Distanzen in für damalige Verhältnisse nahezu unvorstellbarer Geschwindigkeit überbrücken ließen.

Aus architekturgeschichtlicher Sicht wäre es sicher reizvoll, die Empfangsbauten der Unterelbe’schen Eisenbahngesellschaft näher zu untersuchen. Wie Schlichtmann darstellt, hatte die Bahn aus Kostengründen einen so genannten Einheitsplan entworfen, nach dem insgesamt 15 Empfangsgebäude errichtet wurden. Sie waren nach Art eines Baukastensystems so konzipiert, dass sie leicht erweitert werden konnten. Von dieser Möglichkeit ist in vielfacher Hinsicht Gebrauch gemacht worden, so dass sich heute keines der noch erhaltenen Gebäude in seinem ursprünglichen Zustand präsentiert. Vor dem Hintergrund des Strukturwandels im Bereich der Bahn sind alle Bauten mehr oder minder in ihrer Existenz bedroht und zeigen sich in einem sehr schlechten Zustand.

Es ist Hans-Otto Schlichtmann gelungen, mit seinem Werk einen Meilenstein zu setzen, der für zukünftige Arbeiten sicher Anknüpfungspunkt sein wird. Er hat damit begonnen, eine Lücke zu schließen. Die vielen Bilder laden zum Schmökern ein und lassen leicht über die genannten Schwächen des Bandes hinweg sehen.

Anmerkungen

[1] Vgl. Rümelin, Hansjörg (2001) Historismus und Heimatstil. Lüneburger Wohnbauten im Backsteinrohbau. In: Preuß, Werner H. (Hg.): Stadtentwicklung und Architektur. Lüneburg im 20. Jahrhundert. Husum: Husum Verlagsgesellschaft, S. 28f.

Weitere Informationen und Links

Internetseite der Kreissparkasse Stade

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