Es ist schon viele Jahre her, da kam die Deutsche Bundesbahn anlässlich von Sanierungsarbeiten im Bahnhof von Harburg auf den formidablen Gedanken, entlang der Treppenaufgänge zu den Bahnsteigen Gepäcklaufbänder zu installieren. Sie sollten Passagieren mit schweren Koffern das Treppensteigen erleichtern. Irgendwann später – die Bundesbahn war inzwischen privatisiert – machten die Bänder schlapp. Die nötigen Reparaturen verkniff man sich jedoch alsbald aus unbekannten Gründen – stattdessen wurde ein Schild angepappt: „Dieses Gepäcklaufband ist bis auf weiteres Defekt. Wir bitten um ihr Verständnis“.
Die Reisenden hatten das zunächst auch, schließlich suggerierte der Text ja, dass die Bänder bald wieder ihren Dienst verrichten würden. Kurzfristige Wartungspause eben. Die Zeit ging ins Land – Tage, Wochen, Monate, Jahre. Nix passierte und die Passagiere sollten weiter Verständnis haben. Alle hatten das wohl nicht und einige beschwerten sich – jedenfalls kann man das vermuten. Außerdem begannen die Schilder langsam unglaubwürdig zu wirken.
Doch statt die Gepäckbänder endlich wieder in Betrieb zu nehmen, druckte man lieber neue Schilder. „Aufgrund nicht mehr im Handel erhältlicher Ersatzteile ist diese Anlage außer Betrieb genommen.“ Das Bahnhofsmanagement Hamburg bat die Reisenden für die Unannehmlichkeiten um Entschuldigung. Im Raum stand fortan ein böser Verdacht: Hatte man extra solange gewartet, bis es endlich keine Ersatzteile mehr gab, um sich der Anlagen entledigen zu können? Schließlich sind solche Schilder viel preiswerter als so ein lästiges Laufband, das für teures Geld repariert werden will. Denn in der kapitalistischen Börsengangs-Bilanz macht sich das ja auch viel besser, so eine Anleihe an der sozialistischen DDR-Mangelwirtschaft. Weil das so gut klappte, wurde mit einem ähnlichen Schild auch gleich der nahe Abfahrtsmonitor bedacht, der auch nicht mehr wollte, wie er sollte. Und gespannt wartete der staunende Beobachter, wann der erste Zug mit diesem Aufkleber am Bahnsteig stehen würde.
Doch dazu kam es nicht mehr: Die sozialistische Epoche bei der Bahn fand ihren jähen Abschluss, als ein Handwerkertrupp vor kurzem den Gepäckbändern ein Ende bereitete und die Erinnerung an den Service für Reisende aus Bundesbahn-Zeiten endgültig beseitigte…
P.S.: Falls jemand die tatsächlichen Hintergründe für diese Posse kennen sollte – ich würde sie gerne erfahren…

