Der Erfolg eines Straßenbahnsystems, so die Spezialisten vom Planungsbüro Transtec, das mit der Machbarkeitsstudie zur Wiedereinführung der Straßenbahn in Bremerhaven beauftragt worden war, hänge stark von der Verkehrspolitik der Stadt ab. Mangele es an der notwendigen Unterstützung, so die Gutachter, solle man besser gleich die Finger davon lassen. Doch das ist in Bremerhaven ganz offensichtlich der Fall.Genauso kurzsichtig, wie man war, als man 1982 den Betrieb der Straßenbahn einstellte, so stur zeigen sich die Bremerhavener Politiker auch heute noch. Sie gaben ein Gutachten über eine mögliche Wiedereinführung der Straßenbahn bei den Verkehrsexperten der Firma Transtec in Auftrag. Im selben Atemzug wurde den Experten ein “Denkverbot” auferlegt � sie durften über Trasse durch die Bürgermeister-Smidt-Straße, Bremerhavens Haupteinkaufsstraße und “Lebensader” der Stadt, nicht nachdenken. “Das vergessen Sie mal schnell wieder”, war den Verkehrsexperten beim Zwischenbericht zum Straßenbahn-Gutachten zugerufen worden, als sie die Route durch die Fußgängerzone als ideale City-Trasse priesen.
Im fertigen Bericht taucht die Bürgermeister-Smidt-Straße in einer möglichen Streckenführung nicht mehr auf. Da andere Trassenvarianten, etwa über Columbus-, Deich- oder Schleswiger Straße, höchst problematisch wären, fiel die im Bauausschuß vorgestellte Machbarkeitsstudie zur Wiedereinführung der Straßenbahn entsprechend skeptisch aus.
Wenn sämtliche sechs Ausbaustufen von Leherheide bis Wulsdorf mit einer Abzweigung zum Schiffdorferdamm realisiert würden, kommen die Gutachter auf Investitionskosten von 530 bis 540 Millionen Mark. Darin enthalten wären die Anschaffung der Fahrzeuge zum Stückpreis von 3,2 Millionen und der Bau eines Betriebshofes mit 28 Millionen. 60 Prozent der Kosten würden vom Bund getragen. Der verbleibende Rest ließe sich, wie in anderen Bundesländern schon geschehen, weitgehend durch Zuschüsse finanzieren.
Für die Wiedereinführung der Bahn sprechen nach Auffassung der Transtec-Gutachter die Erwartung höherer Fahrgastzahlen und die Stärkung der oberzentralen Funktion. Von ihrer Struktur her sei die Stadt bestens für eine Erschließung auf der Schiene geeignet. Als Risiken werden die massiven Fahrgastverluste der vergangenen Jahre, der Einwohnerschwund und die wenig optimale Trassenführung in der Innenstadt angeführt. (Quelle: Nordsee-Zeitung)
Straßenbahn-Gutachten für Bremerhaven vorgestellt
(20.12.2000, rol)
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