Geplante Eingleisigkeit zwischen Stade-Himmelpforten: vorübergehend oder neuer Dauerzustand?

(7.12.2000, rol)

Als sogenannte “vorübergehende Maßnahme” beabsichtigt die Deutsche Bahn AG (DB-Netz) den gesamten Streckenabschnitt Stade-Himmelpforten auf der KBS 121 künftig nur noch eingleisig zu betreiben. Grund für diese Maßnahme ist der äußerst schlechte Zustand des Fahrwegs in diesem Streckenabschnitt.
In ihrer Stellungsnahme zu dieser überraschenden Nachricht bezeichnete die DB-Netz AG die eingleisige Streckenführung als “vorübergehende Maßnahme” und nicht als Übergang zur dauernden Eingleisigkeit. Doch das will man der Bahn AG nicht so recht glauben. Schon seit Jahrzehnten versucht die Bahn immer wieder, das zweite Streckengleis stillzulegen und damit Kosten zu sparen. Doch bislang konnte sich die Region erfolgreich gegen diese Pläne zur Wehr setzen. Die Bahn hofft nun, endlich ihre langgehegten Pläne realisieren zu können.
Das Problem ist, wie so oft, hausgemacht. Schon seit Jahren wird eine Sanierung des maroden Streckenabschnitts angekündigt, doch nicht geschah. Hätte man gleich saniert, wären die Kosten bei weitem nicht so immens, wie sie sich heute darstellen. Das 18 Kilometer lange Streckenstück kann zur Zeit nur noch mit maximal 50 km/h befahren werden.
Mit dem Wechsel zum Sommerfahrplan im Mai kommenden Jahres soll die Eingleisigkeit nach dem Willen der Bahn in Kraft treten. Wie lange sie Sanierungsarbeiten dauern sollen, ließ man natürlich nicht verlauten. “Nur vorübergehend” und um am stillgelegten Gleiskörper Sanierungsarbeiten durchführen zu können – so wird der Schritt begründet.
An dieser Erklärung hatten sowohl die Politiker und Fachleute als auch die Zuhörer einer Podiumsdiskussion, zu der der Stader SPD-Ortsverein eingeladen hatte, ihre Zweifel.
Samtgemeindebürgermeister Holger Falcke sprach aus, was so mancher im Hinterkopf befürchtet: “Das ist vielleicht der erste Schritt in die Stilllegung.” Schließlich habe die Bahn auch bisher die eingleisigen Streckenabschnitte (Hechthausen-Himmelpforten) nicht für Reparaturarbeiten genutzt.
Bezeichnender Weise waren die ebenfalls eingeladenen Vertreter der Bahn und der Landesnahverkehrsgesellschaft, die für die Bestellung des Nahverkehrs in Niedersachsen zuständig ist, aus “terminlichen Gründen” nicht zur Diskussion erschienen
“Die Bahn ist anscheinend nicht in der Lage zu planen, Langsamfahrstrecken anzugeben und die bereit gestellten Gelder abzurufen”, sagte die Bundestagsabgeordnete Dr. Margrit Wetzel (SPD).
Klaus-Dieter Kulessa von der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer hat seine eigenen Erfahrungen mit der Strecke. “Die Strecke Hamburg-Cuxhaven ist bundesweit die einträchtigste Strecke der Bahn im Personennahverkehr.” Nachts könne ohne weiteres an der Strecke gearbeitet werden, wenn saniert werden solle. Dafür müsse die Strecke nicht eingleisig befahren werden, argumentierte Kulessa.
Mit der geplanten Eingleisigkeit wird sich auch der niedersächsische Landtag auf Veranlassung des CDU-Kreistagsfraktionschefs David McAllister (MdL) beschäftigen.
Die geplante eingleisige Betriebsführung hätte erhebliche Auswirkungen auf den Betriebsablauf, da Zugbegegnungen auf einer Länge von über 18 Kilometern nicht mehr möglich sind. Das wird sich bei der Fahrplangestaltung negativ bemerkbar machen. Insbesondere die Berufspendlerverkehre in den Morgen- und Abendstunden sind erheblich betroffen. Bei nur geringfügigen Verspätungen wird der betriebliche Ablauf auf der Gesamtstrecke zwischen Hamburg und Cuxhaven bereits jetzt negativ beeinflußt.

McAllister hat sich bereits mit einem umfangreichen Fragenkatalog an die Niedersächsische Landesregierung gewandt:

Neun Fragen an die Niedersächsische Landesregierung

  • Weshalb beabsichtigt die Deutsche Bahn AG die neue eingleisige Streckenführung zwischen Himmelpforten und Hechthausen?
  • Wie beurteilt sie die beabsichtigte eingleisige Streckenführung zwischen Hechthausen und Stade?
  • Ist die Landesregierung im Vorfeld über diese Maßnahme der DB Netz AG informiert worden und wenn ja, wie hat sie darauf reagiert?
  • Wie will die Landesregierung sicher stellen, daß die geplante eingleisige Streckenführung tatsächlich nur eine “vorübergehende Maßnahme” sein wird und welche Garantien hat die DB Netz AG dem Land Niedersachsen hierzu gegeben?
  • Welche rechtlichen Möglichkeiten hat die Landesregierung die Deutsche Bahn AG zu veranlassen, die Strecke weiterhin im vorhandenen Umfang zu nutzen bzw. die notwendigen Sanierungsarbeiten durchzuführen?
  • Wie beurteilt die Landesregierung den Umstand, daß im Konzept der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) für 2001 vorgesehen ist, weitere Züge auf dieser Strecke zu bestellen, was mit der geplanten Maßnahme jedoch nicht vereinbar sein dürfte?
  • Wann wird nach Kenntnis der Landesregierung das so genannte strategische Konzept, das die DB AG für weitere erhebliche Investitionen in die Strecke fordert, fertig gestellt werden?
  • Wann wird die Fahrlagenplanung auf der zur Verfügung stehenden Infrastruktur der Strecke, die momentanen in Abstimmung mit dem Aufgabenträger LNVG in Bearbeitung befindlich ist, fertig gestellt und bekannt gegeben werden?
  • Was hat die Landesregierung bzw. die LNVG im Vorfeld diesbezüglich unternommen?
  • Auch im Hinblick auf einen künftigen Tiefwasserhafen in Cuxhaven sei dieser Rückbau der Schiene zwischen Hamburg und Cuxhaven völlig unverständlich.

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