Der InterRegio darf nicht sterben

(23.07.2000, rol)

Heftigst kritisiert wird derzeit die Absicht der Deutschen Bahn AG, auch in Niedersachsen das Angebot im InterRegio-Verkehr auszudünnen. Städte wie Bad Harzburg, Cuxhaven, Wilhelmshaven oder Norddeich seien nach dem Willen des DB-Management zukünftig nur noch per Regionalzug erreichbar. “Die DB vergrault wissentlich weiter Fahrgäste, indem attraktive Direktverbindungen gekappt und die Reisenden zum lästigen Umsteigen gezwungen werden.”, bemängelt der niedersächsische VCD-Landesvorsitzende Michael Frömming. “Die DB will ihren lästigen, bei den Kunden aber sehr beliebten InterRegio abstoßen, da er nach der Bahnreform nicht mehr ins Konzept paßt. Statt den InterRegio als Bestandteil des eigenwirtschaftlichen Fernverkehrs zu nutzen und auszubauen, will die DB den Ländern diesen Zug aufdrücken und dafür Geld kassieren. Kein Wunder also, daß Bistro-Wagen ausfallen und seit Jahren keine Werbung mehr für diese Zuggattung an die Öffentlichkeit gelangt,” erklärt Frömming.
Nach VCD-Angaben versuche die DB, mit ihrer Strategie rund 300 Mio. DM von den Ländern für den Weiterbetrieb der Züge zu erhalten. Daß die Länder vermutlich die benötigten Gelder aus dem Schienennahverkehr abziehen und so in diesem Bereich den weiteren Schrumpfprozess vorantreiben würden, ist für die DB nach VCD-Angaben offensichtlich unbedeutend. “Hier schneidet sich die DB aber ins eigene Fleisch”, so Frömming, “denn daß bei zukünftigen Ausschreibungen im Nahverkehr durch die Länder eher private Anbieter Leistungen der DB übernehmen, scheint angesichts der DB-Taktik eine klare Sache zu sein.”
“Das kann nicht hingenommen werden” sagt auch der stellvertretende Vorsitzende der Bremerhavener SPD-Bürgerschaftsfraktion, Wilfried Töpfer. Als “Schlag gegen den Tourismus” bezeichnet Töpfer die neuesten Pläne der Bahn, ab Mai kommenden Jahres Fernverkehrsverbindungen nach Bremerhaven zu streichen. “Verkehrssenator Josef Hattig (CDU) und der Magistrat müssen energischer gegen die Pläne der Bahn vorgehen”, fordert Töpfer. “Kreuzfahrtterminal, Schaufenster Fischereihafen und der geplante Ocean Park sind bedeutende touristische Projekte, die Städtereisende anlocken sollen”, sagt Töpfer. Die Pläne der Bahn würden dem entgegenstehen. Auch der Hafen sei auf eine internationale Anbindung angewiesen. Direkt nach der Sommerpause, so Rüdiger Staats, Sprecher des Ressorts Wirtschaft und Häfen, werde Bahn-Chef Hartmut Mehdorn mit Hattig in der Stadt Bremen über den Umfang der Änderungen im Fernverkehr sprechen. Auch Staats spricht sich gegen eine “weitere Abkoppelung des Nordens vom Fernverkehr” aus: “Dagegen müssen wir uns zur Wehr setzen.” Derweil hält sich die Deutsche Bahn AG bedeckt. Gespräche zwischen Bahn und Ländern würden geführt – “Details kann ich noch nicht nennen”, sagt Bahn-Pressesprecher Hans-Jürgen Frohns.
Auch in Cuxhaven, dessen Interregio-Verbindung nach zwei Monaten angeblicher Sicherheit schon wieder auf der “Todesliste” der Bahn AG steht, regt sich Widerstand. Im Jahr 2001 soll es nach Angaben der Bahn AG mit dem ungeliebten Interregio endlich zu Ende sein. Zu den Plänen der Bahn, die Interregio-Verbindung nach Cuxhaven endgültig zu streichen, erklärte der Sprecher der CDU-Kreistagsfraktion, David McAllister, MdL: “Die Pläne der Bahn bedeuten einen Kahlschlag für die Schieneninfrastruktur im Cuxland. Unsere Urlaubsregion droht endgültig vom Fernverkehr abgehängt zu werden. Das benachteiligt uns in unerträglicher Weise. Scharf kritisiere ich das schlafmützige und nachgiebige Verhalten der Landesregierung gegenüber der Bahn AG. Hannover ist diesen negativen Entwicklungen nicht rechtzeitig und energisch genug entgegengetreten.
Für die wirtschaftliche Stabilisierung und Weiterentwicklung unserer strukturschwachen und marktfernen Region sind gute Verkehrsanbindungen zwingende Voraussetzung. Aus diesem Grunde ist es politisch geradezu töricht, die Bahnstrecke für den Verkehr stillzulegen. Wir müssen ernsthaft prüfen, ob ein anderes Unternehmen wie beispielsweise die EVB mit dem Streckenbetrieb zu beauftragen ist. Doch die EVB kann keine Fernzüge betreiben. Umsteigen wäre also die Folge.
Der VCD fordert für den InterRegio eine neue Chance. Kein Ab-, sondern ein Ausbau der Zugangebote auch in andere Landesteile müsse Ziel einer umweltfreundlichen Verkehrspolitik als Alternative zum anwachsenden Autoverkehr bleiben. “Und wenn die Deutsche Bahn AG sich nicht in der Lage sieht, ein ansprechendes Angebot zu liefern, sollten private oder ausländische Anbieter den InterRegio perspektivisch als Gesamtpaket übernehmen, einschließlich der verbleibenden lukrativen InterRegio-Linien, an denen die DB festhalten möchte”, so Frömming. Die InterRegios von Hannover nach Bremen/Oldenburg und nach Hamburg bleiben nach VCD-Recherchen von den Sparmaßnahmen vorerst nicht betroffen.

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