Harburg-Cuxhaven: Der Beginn einer Strecken-Sanierung ist weiter ungewiß

(24.06.2000, rol)

Die niedersächsische Landesregierung mißt der Schienenverbindung zwischen Hamburg und Cuxhaven eine hohe Bedeutung bei, doch die Verantwortung für den Ausbau und Erhalt des Schienennetzes liege aber bei der Deutschen Bahn Netz AG und beim Bund, teilte Verkehrsminister Dr. Peter Fischer den CDU-Abgeordneten mit, die eine kleine Anfrage stellten.
Die drei Landtagsabgeordneten aus der Region (David McAllister (Hadeln), Andreas Behr (Stade) und Hans-Christian Biallas (Cuxhaven)) stellten kürzlich im Landtag eine kleine Anfrage, nachdem das Niedersächsischen Verkehrsministerium kürzlich in einem Zeitungsinterview andeutete, daß die Bahnstrecke Harburg-Cuxhaven verbessert werden solle. Weiter hieß es in dem Interview, daß ein Ausbau der Strecke für 140 oder zumindest 120 km/h erwogen werde. Für den Abschnitt Cuxhaven nach Stade seien zunächst Kosten von rund 35 Millionen Mark errechnet worden. Nach näheren Untersuchungen habe sich herausgestellt, daß für die Sanierung das Doppelte benötigt würde, unter anderem weil die Schienen teilweise aus dem Jahre 1927 stammten.
Der Verkehrsminister Dr. Peter Fischer führte den schlechten Zustand der Strecke zum einen auf geologische Gründe zurück, da der Untergrund nur eine vergleichsweise geringe Tragfähigkeit aufweise. Zum anderen sei er auf unzureichende Unterhaltungsmaßnahmen der Deutschen Bundesbahn bzw. der DB AG zurückzuführen.
Bereits 1996, also unmittelbar nach Übernahme der Verantwortung für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) durch das Land Niedersachsen und parallel zur Erstellung des SPNV-Konzeptes, habe die Landesregierung die DB AG aufgefordert, die Geschwindigkeit auf dieser Strecke zu steigern, um das Angebot im Schienenpersonennahverkehr qualitativ verbessern zu können. Ersten Grobschätzungen zufolge sollte der dazu erforderliche Ausbau des Streckenabschnittes Stade-Cuxhaven damals etwa 20 Millionen Mark kosten. Eine Sanierung fand aber nicht statt, der Zustand der Strecke verschlechterte sich weiter.
Nach Auskunft des Ministeriums beziffert die DB Netz AG inzischen den Investitionsbedarf für den Streckenausbau und weitere Sanierungsmaßnahmen in den nächsten 15 Jahren auf weit über 80 Millionen Mark. Ursache dafür soll sein, daß sich die Strecke in einem deutlich schlechteren Zustand befindet, als zunächst angenommen. Die Landesregierung habe inzwischen auch den Vorstandsvorsitzenden der DB AG auf die große Bedeutung, die das Land dieser Strecke beimesse, und den dringenden Sanierungsbedarf hingewiesen.
Die Bahn habe zugesagt, die Planungen voranzutreiben und die Wirtschaftlichkeit zu prüfen. Eine finanzielle Beteiligung des Landes an den Sanierungskosten sagte Fischer allerdings nicht zu, auch wenn das Land grundsätzlich interessiert sei, das Nahverkehrsangebot auf dieser Strecke auszuweiten. Das Land Niedersachsen zahle für die Nahverkehrsleistung zwischen Cuxhaven und Hamburg jetzt bereits über zehn Millionen Mark jährlich an “Trassenbenutzungsentgelten”. Diese Entgelte würden sich erhöhen, wenn sich auch der Standard verbessere (z.B. die Anhebung der Streckengeschwindigkeit). Der Minister wolle seine Entscheidung über eine mögliche finanzielle Beteiligung seitens der öffentlichen Hand auch von der avisierten Wirtschaftlichkeitsuntersuchung der DB Netz AG abhängig machen.
Einen Zeitpunkt für den Beginn der Streckensanierung konnte die Landesregierung den Abgeordneten nicht mitteilen. Auch auf Seiten der Bahn AG gibt es noch nicht viel mehr als bloße Bekenntnisse. Land und Bahn hätten bei einem Spitzengespräch im Mai beide bekundet, die Strecke ausbauen zu wollen, damit Züge 120 Stundenkilometer fahren können. Ein konkreter Zeitpunkt steht aber noch nicht fest. Auf die Einrichtung einer sogenannten “Clearing-Stelle” zwischen Land und Bahn AG habe man sich aber inzwischen geeinigt, ein erstes Treffen werde Anfang Juli stattfinden, so ein Sprecher der Bahn AG.

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