Im Zuge der drastischen Sparmaßnahmen der Deutschen Bahn AG, die derzeit heftig in der Öffentlichkeit diskutiert werden, plant die Bahn allein in Niedersachsen etwa 1000 Kilometer Schienenweg einem sogenannten “Regionetz” in anderer Trägerschaft zuzuordnen. Es ist zu befürchten, daß damit das Aus für die Bahnstrecke Cuxhaven – Bremerhaven in Reichweite ist.
Das niedersächsische Wirtschaftsministerium ließ in einer Pressemitteilung zu diesem Thema verlauten, daß innerhalb des Regionetzes in Zukunft private Regionalbahnen verkehren sollen. Auch von den eigentlichen Trassen wolle sich die Bahn trennen. In letzter Konsequenz sei daran gedacht, so habe sich der Chef der Deutschen Bahn AG, Hartmut Mehdorn, geäußert, Netzteile von anderen Unternehmen betreiben zu lassen.
Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums haben erste Prüfungen ergeben, “daß sich ein Großteil der vorgeschlagenen Strecken in keinem einwandfreien Zustand befindet”, weil die Bahn jahrelang “keine müde Mark” in die Erhaltung dieser Strecken gesteckt hat. Um sie wieder “in Schuß” zu bringen, seien jetzt mehrere 100 Millionen Mark nötig. Natürlich werden weder das Land noch ein künftiger Investor die Strecken in einem solch schlechten Zustand übernehmen. “Entweder müsse die Bahn abzugebende Strecken in einen akzeptablen Zustand versetzen oder sie müsse die Sanierung bezahlen”, so der Wirtschafts- und Verkehrsminister Fischer.
Das Land werde deswegen jetzt gemeinsam mit der Bahn den Investitionsbedarf für Sanierung und Unterhaltung der vorgeschlagenen Strecken ermitteln. Ferner forderte Fischer, daß die Bahn in dem Maße, in dem sie sich von Strecken trenne, auch das Geld, was sie zur Zeit vom Bund zur Erhaltung ihrer Strecken jährlich zugewiesen bekomme, an mögliche Betreiber weitergebe.
In Niedersachsen sind von der “Regionetz-Idee” die folgenden Strecken betroffen:
Cuxhaven – Bremerhaven-Speckenbüttel
Kreiensen – Langeland
Northeim (Han) – Langeland
Göttingen – Bodenfelde
Oldenburg – Osnabrück-Eversburg
Esens – Sande
Delmenhorst – Hesepe Wieren – Braunschweig
Helmstedt – Wolfenbüttel
Braunschweig – Kreiensen
Braunschweig – Bad Harzburg – Oker
Goslar – Neuekrug – Hahausen
Salzgitter-Drütte – Salzg.- Lebenstedt
Nordhausen – Northeim
Seesen – Herzberg (Harz)
Buchholz (Nordheide) – Bennemühlen
Elze (Han) – Löhne (Westf)
Lüneburg – Dannenberg Ost
Heftige Kritik an den Vorhaben der Bahn kommt von Bündnis 90/ Die Grünen. Der neue DB-Chef Mehdorn sei nur darauf aus, aus der Bahn eine börsenfähige Aktiengesellschaft zu machen und setze in diesem Zusammenhang vor allem auf Hochgeschwindigkeitszüge. Der Nahverkehr bliebe dabei auf der Strecke.
Die Stillegung der Strecke Cuxhaven-Bremerhaven sei im Rahmen des Projektes “Regent” (Man beachte die wohklingenden Namen für diese Konzepte!) vorgesehen, in dem alle Trassen, die von Staat und Bahn teilweise über Jahrzehnte hin vernachlässigt wurden, aufgelistet seien. Die Bahnhofsumfelder von Dorum, Nordholz und Wremen seien in den vergangenen Jahren mit öffentlichen Mitteln attraktiviert worden, die bahntechnischen Anlagen wie Bahnübergänge und der Gleiskörper seien aber auf dem Stand der Technik von “vor 100 Jahren” stehen geblieben. Es sind auf der Strecke nur Höchstgeschwindigkeiten zwischen 60 und 80 km/h möglich.
Die Kreistagsfraktion Bündnis 90/Grüne lehnt den Ausverkauf der Bahnstrecke Cuxhaven-Bremerhaven vehement ab, und fordert im Gegenzug den Ausbau des SPNV-Angebots. In diesem Zusammenhang sei besonders das “Regional-Stadtbahnnetz”, das vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) entwickelt wurde, zu unterstützen. Es sieht vor, bereits geschlossene Bahnhöfe als “Bahnhaltepunkte” wieder einzurichten, in Altenwalde, Groden und Bremerhaven neue Haltepunkte zu bauen. Eine zweite Bahnstrecke sollte von Bremervörde kommend über Bremerhaven bis nach Bad Bederkesa führen. Dieses Konzept soll nun kurzfristig im Regionalausschuß vorgestellt und diskutiert werden -leider nur mit wenig Aussicht auf Erfolg…

