Wenn man im Nahverkehrs-Programm der Niedersächsischen Landesregierung blättert, fühlt man sich sofort an die Eisenbahnstrecken der Region erinnert: Von “museumsreifen Lokomotiven und Wagen” und Bahnhöfen in “indiskutablem Zustand” ist dort die Rede. Rund 80 Prozent der 360 Stationen im Land werden in dem Konzept als “verbesserungswürdig” eingestuft. Viele Bahnhöfe befänden sich in teilweise “beklagenswertem Zustand” und müßten dringend saniert werden. Um diese Mißstände zu beseitigen, will das Land Niedersachsen bis 2005 rund 1,6 Milliarden Mark in Projekte des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) investieren.Das "Nahverkehrs-Programm 2001 bis 2005", wie das Konzept offiziell heißt, sieht kürzere Reisezeiten auf besser ausgebauten Eisenbahnstrecken, leicht merkbare Taktfahrpläne, bequeme, moderne Fahrzeuge und saubere, gut ausgebaute Bahnhöfe vor.
Der 1998 mit viel Aufwand modernisierte Bahnhof Otterndorf wird als Beispiel für einen attraktiven, modernen Bahnhof angeführt. Doch der Vorzeigebahnhof der Region hat auch seine Schwachpunkte: So wurden bei der Bahnhofserneuerung zwar die Bahnsteiganlagen erhöht. Doch um in den Zug zu gelangen, sind immer noch hohe Stufen zu erklimmen – für Rollstuhlfahrer ein unüberwindbares Hindernis. Sie kommen zwar über eine gepflasterte Rampe auf den Bahnsteig, aber in den Zug geht es nicht ohne fremde Hilfe.
Prioriät genießt bei den Ausbaumaßnahmen auf der Strecke Cuxhaven-Hamburg die geplante Verlängerung der S-Bahn von Neugraben nach Buxtehude. In diesem Zusammenhang sind Umbauten an den Bahnhöfen Neu Wulmstorf, Horneburg und Buxtehude erforderlich, die in den Jahren 2003 bis 2004 durchgeführt werden sollen. 160 Millionen Mark sind für neue S-Bahn-Züge auf der Strecke eingeplant.
In Hadeln muss man sich noch mindestens bis 2003 gedulden, denn erst dann soll als erste Station der Bahnhof Hemmoor modernisiert werden. Weitere Investitionen in die Bahnhöfe der Region erfolgen in den Jahren 2004 bis 2005. In diesem Zeitraum werden die Bahnsteige in den Bahnhöfen Cuxhaven, Hammah, Hechthausen, Himmelpforten und Wingst erneuert.
Aber nicht nur in die Bahnhöfe, sondern auch in die Sanierung des Schienennetzes will das Land Niedersachsen investieren. Landesweit werden für den Ausbau von Strecken und die Beseitigung von Langsamfahrstellen 240 Millionen Mark bereitgestellt. Die Kursbuchstrecke 121 zwischen Stade und Cuxhaven, übrigens nicht als "vertraglich gesichertes Projekt", sondern lediglich als "geplantes Ausbauprojekt" vorgesehen, soll mit diesen Mitteln zwischen 2002 und 2008 auf eine Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern ausgebaut werden. Angestrebt sind eine Verkürzung der Reisezeit und eine Ausweitung des Fahrplanangebotes.
Langfristig erwägt die Landesregierung, die lokbespannten Züge auf der Strecke zwischen Cuxhaven und Hamburg durch Triebwagen zu ersetzen. Bis 2005 sollen in die Neubeschaffung dieser Fahrzeuge landesweit etwa 180 Millionen Mark fließen.
Für die Strecke Bremerhaven-Cuxhaven (KBS 125) stehen die Erneuerung der Bahnsteiganlagen an. In Nordholz und Wremen soll damit bereits 2001/2002 begonnen werden, Dorum ist dann 2002/2003 an der Reihe. Außerdem soll das Fahrplanangebot ausgeweitet werden.
Auch auf Gesetzesebene ergeben sich für den Schienenverkehr Veränderungen. So sieht der Gesetzentwurf zur Neuordnung des öffentlichen Personennahverkehrs vor, daß das Land nicht nur die Deutsche Bahn AG, sondern auch Landkreise, kreisfreie Städte und deren Zusammenschlüsse die Trägerschaft für ÖPNV auf der Schiene übertragen kann – nach den Plänen der Landesregierung allerdings nur, wenn sie sich in einem Zweckverband zusammengeschlossen haben.
Der Landkreis Cuxhaven ist zusammen mit weiteren Landkreisen in der "Verkehrsgesellschaft NordOst-Niedersachsen mbH" (VNO) zusammengeschlossen. Um nach dem neuen Gesetz ÖPNV auf der Schiene übernehmen zu können, müsste sich die VNO zu einem Zweckverband umgründen.
Ein unnötiger Aufwand, wie der Hadler CDU-Landtagsabgeordnete David McAllister findet. Er kritisiert die Haltung der Landesregierung "nicht nachvollziehbar". Privatrechtliche Organisationsformen, wie sie mit der VNO schon bestünden, seien viel flexibler. Das neue Gesetz empfindet er als "unnötige Beschränkung des kommunalen Handlungsspielraums".
Nahverkehrsplan: Investitionen auch im Elbe-Weser-Dreieck
(15.08.2001, rol)
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