Museumsbahn hat Probleme

(17.11.2002, rol)

Zwei große Probleme machen den Eisenbahnern der Museumsbahn Bremerhaven-Bederkesa zu Zeit Sorgen. Zum einen die ungewisse Zukunft der Anbindung an das Schaufenster Fischereihafen in Bremerhaven und zum anderen Unklarheiten über den Lokschuppen im Abstellbahnhof Bremerhaven-Lehe, wo derzeit die Fahrzeuge des Vereins beheimatet sind und gewartet werden. Die Anbindung an das Schaufenster Fischereihafen ist eine 1,6 Kilometer lange Strecke vom Bahnhof Bremerhaven-Wulsdorf zum ehemaligen Fischversandbahnhof (Gleis 60 und Gleis 606). Dort, im Fischereihafen, der Seestadt, hatte der Museumsbahn-Verein vor zwei Jahren für rund 53 000 Mark einen Bahnsteig angelegt. Seit dem war dies der Endpunkt der Fahrten. „Das hat sich als außerordentlich positiv herausgestellt und die Museumsbahn für Touristen besonders interessant gemacht“, so Wilfried Habenicht, Vorsitzender des Vereins Museumsbahn Bremerhaven-Bederkesa.
Umso mehr sorgt er sich deshalb um die Zukunft dieses attraktiven Endpunktes der Strecke. Denn für die DB Cargo, die das Gleis zurzeit noch sporadisch nutzt, rentiert sich der Güterverkehr nicht mehr. Deshalb soll der Betrieb der DB Cargo zum Jahresende eingestellt werden. „Allerdings bleibt die Strecke auch im kommenden Jahr weiter verfügbar“, erläuterte Bahnsprecher Norbert Giersdorff auf Anfrage. Schließlich habe in der Vergangenheit auch die Privatbahn EVB das Gleis genutzt. Nicht zuletzt deshalb wolle man die Infrastruktur auch weiterhin betriebsbereit erhalten. Langfristig müsse man sich aber, falls keine weitergehende Nutzung stattfinde, über die Zukunft der Strecke Gedanken machen, gibt er zu.
Die Museumsbahner würden die Strecke gerne pachten – aber nicht für den von der DB Netz geforderten Preis von 60 000 Euro pro Jahr. „Das können wir nicht aufbringen“, so Habenicht. Stattdessen habe man angeboten, die Strecke für einen symbolischen Betrag zu pachten und im Gegenzug die Unterhaltung zu gewährleisten. Darüber sei bislang jedoch noch keine Einigung erzielt worden. Man sei weiter im Gespräch, so Vorsitzender Habenicht.
Große Hoffnungen, im Lokschuppen in Bremerhaven-Lehe bleiben zu können, haben die Museumsbahner unterdessen nicht mehr – auch wenn zu Zeit noch Bemühungen in diese Richtung laufen. Hier ist seit mehreren Jahren ein Teil der Fahrzeuge des Vereins untergestellt. Außerdem befindet sich dort die Fahrzeugwerkstatt. Die Nutzungsvereinbarung der Museumsbahn mit der DB Cargo läuft zum Jahresende aus, eine Verlängerung ist seitens der Bahn nicht geplant: „Die DB Cargo zieht sich aus dem Lokschuppen zurück und kann deshalb auch die Nutzungsvereinbarung nicht verlängern“, so Bahnsprecher Giersdorff.
Was in Zukunft mit dem Schuppen von 1910 passiert, ist noch offen. „Im Augenblick besteht keinerlei Absicht, das Gelände oder einen Teil davon zu veräußern oder den Lokschuppen gar abzureißen“, machte Giersdorff deutlich.
Nun verfolgen die Museumseisenbahner einen anderen Weg. Sie wollen in Bederkesa einen Lokschuppen errichten. Konkrete Planungen sollen erst noch beginnen. Eines steht jedoch schon fest: Das wird sehr teuer – auch wenn möglicherweise Mittel aus EU-Fördertöpfen und der gemeinsamen Landesplanung Bremen-Niedersachsen zur Verfügung stehen.
Die Bundestagsabgeordnete und stellvertretende verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Annette Faße hat mit Schreiben vom 16. September 2002 den Vorstandsvorsitzenden der DB AG, Hartmut Mehdorn, eindringlich gebeten, nach Lösungen, die den Erhalt der Museumsbahn Bremerhaven-Bederkesa ermöglichen, zu suchen. Eine Antwort liegt bislang noch nicht vor.
Am 5. November fand eine gemeinsame Sitzung des Ausschusses für Regionalplanung, Wirtschaft und Tourismus des Kreises mit dem Bauausschuss der Seestadt Bremerhaven statt. Auch hier war das Thema Museumsbahn auf der Tagesordnung. Es wurde eine Resolution verabschiedet – mit folgendem Wortlaut:

„Die DB AG wird eindringlich gebeten, der Museumsbahn Bremerhaven-Bederkesa die weitere Nutzung der Gleise im Fischereihafen Bremerhaven und des Betriebswerkes Bremerhaven-Lehe auch ab dem 01.01.2003 zu annehmbaren Konditionen zu ermöglichen.
Die Museumsbahn Bremerhaven-Bederkesa hat im September 2000 nach über zehn Jahren intensiver und zielgerichteter Arbeit der Mitglieder des mit der Betriebsführung beauftragten Vereins Museumsbahn Bremerhaven-Bederkesa e. V. den Betrieb auf der durch die DB AG stillgelegten Strecke Bremerhaven-Bad Bederkesa aufgenommen. Seit April 2001 verkehrt die Museumsbahn in den Sommermonaten regelmäßig an jedem zweiten Sonntag nach einem festen Fahrplan zwischen dem Bahnhof in Bad Bederkesa und dem Fischereihafen in Bremerhaven. Der Museumsbahn wurde nun mitgeteilt, dass die DB Cargo AG den Leher Abstellbahnhof mit Lokschuppen, den dazugehörenden Strahlengleisen und der Drehscheibe sowie die Zuführungsgleise im Fischereihafen zum Schaufenster Fischereihafen künftig nicht mehr benötigen werden und die bisherigen Nutzungsvereinbarungen zur Disposition stünden. Die Museumsbahn hat daraufhin bezüglich der Nutzung der Gleisanlagen im Fischereihafen bereits Gespräche mit der DB Netz AG geführt – allerdings im Ergebnis erfolglos.
Es ist nicht hinnehmbar, dass die Gleise der DB AG im Fischereihafen in Bremerhaven ungenutzt bleiben, obwohl durch die Museumsbahn eine sinnvolle und erfolgreiche Weiternutzung möglich und die laufende Unterhaltung der Anlagen kostengünstig durch die Museumsbahn gewährleistet wäre. Auch die Nutzung des Leher Abstellbahnhofes einschließlich der dort Vorhandenen Anlagen sollte der Museumsbahn zumindest solange ermöglicht werden, bis Alternativen durch die Museumsbahn geschaffen werden konnten, da anderenfalls der Betrieb der Museumsbahn nicht aufrecht erhalten werden kann.
Wir appellieren. mit Nachdruck, der Museumsbahn Bremerhaven-Bederkesa die Gleisanlagen im Fischereihafen Bremerhaven künftig zu annehmbaren Konditionen zu verpachten. Im Gegenzug wird die Museumsbahn die Unterhaltung der Anlagen gewährleisten. Außerdem bitten wir, der Museumsbahn weiterhin die Nutzung des Leher Abstellbahnhofes einschließlich der dort vorhandenen Anlagen kostengünstig zu ermöglichen; entweder dauerhaft oder zumindest bis Alternativen durch die Museumsbahn geschaffen werden konnten.“

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