Der Cuxhavener Landrat als Schaffner: Mit einer roten Mütze und Kelle schickte Martin Döscher heute symbolisch den ersten Zug der „Nordseebahn” – gebildet aus den Triebwagen VT 102 und 103 von Cuxhaven aus auf die Reise gen Bremerhaven. Ab Sonntag werden die Fahrzeuge auf dieser Strecke die bisherigen Triebwagen der Baureihen 634 und 614 vollständig ablösen. Mit an Bord bei der Eröffnungsfahrt waren gestern zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens – darunter viele, die sonst eher nicht die Bahn benutzen dürften und sich sonst bei jeder sich bietenden Gelegenheit für Autobahnen stark machen. Diesmal machten sie eine Ausnahme – aber die Fahrt war schließlich aus gratis. Nicht nur aus Cuxhaven, sondern auch aus Bremervörde und Osnabrück setzte sich jeweils ein Zug in Bewegung. Ziel der Sternfahrt war die Seestadt Bremerhaven, wo Vertreter der Länder Bremen und Niedersachsen gemeinsam die „Nordseebahn" aus der Taufe hoben.
Aus Bremervörde rollten VT 105 und 101 heran, aus Osnabrück kam 146 105 mit einem Doppelstockwagenzug. Hintergrund: Zugleich wurden damit auch die Verbesserungen auf der Strecke Osnabrück-Bremen-Bremerhaven gefeiert, die zukünftig von einer durchgehenden RE-Verbindung befahren wird.
Die "Nordseebahn" ist eine Kooperation der Deutschen Bahn und der Eisenbahnen- und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (EVB). Entstanden ist dieses für Niedersachsen neue Betriebsmodell noch unter der Führung der alten Landesregierung. Die Bahn AG behält die Kontrolle über die Streckeninfrastruktur, die EVB sind deren Partner: Sie stellen das Personal und sorgen für die Wartung und den Betrieb der Triebwagen. Die Fahrzeuge, die extra für die Nordseebahn beschafft wurden, gehören dem Land Niedersachsen. Vier der neuen Triebwagen werden eingesetzt, um den Verkehr zwischen Bremerhaven und Hamburg-Neugraben der gestiegenen Nachfrage anzupassen.
Die Eröffnungsfahrt nahm der Verkehrsclub Deutschland (VCD) zum Anlass, daraufhin zu weisen, dass die Einführung der „Nordseebahn" nur ein erster Schritt sein könne, um den Schienenverkehr der Region zu verbessern. Der neue Stunden-Takt von montags bis freitags sei eine erfreuliche Attraktivitätssteigerung. „Die Taktlücken an den Wochenenden, an denen nur zweistündlich gefahren wird, sollten allerdings schnellstens geschlossen werden", so der Vorsitzende des VCD im Land Bremen, Jens Volkmann. Er forderte außerdem, die noch fehlenden Bahnhaltepunkte umgehend zu reaktivieren. Dazu zählen für den VCD die Stationen Bremerhaven-Speckenbüttel, Imsum, Mulsum, Cappel, Spieka und Altenwalde. An all diesen Standorten gebe es überdies Resolutionen von Bürgern und Gemeindevertretern zur Einrichtung eines Haltepunktes. Das müsse die LNVG bei den Planungen zur Weiterentwicklung des Schienennetzes berücksichtigen. Nach Einschätzung des VCD habe die Landesbehörde noch nicht verinnerlicht, dass viele Haltepunkte der Schlüssel zu mehr Kundennähe sind und damit zum Erfolg der Bahn am Verkehrsmarkt führen.
Freie Fahrt für die Nordseebahn
(12.12.2003, rol)
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